Archiv für Januar 2008

„boot camp“ in münchen

Für nächste Woche haben verschiedene Gruppen und Einzelpersonen aus dem Münchner Linksparteiumfeld ein Projekt zu dem Themenkomplex Jugendgewalt und Verschärfung der Repression in diesem zusammenhang geplant. Der Termin ist 24.1.08 ab 18.00 Uhr bis Samstag den 26.1.08 ab 18.00 Uhr, mehr Infos findet ihr hier, ein kurzer und knapper Indy-Artikel erklärt auch worum es geht. Auch wenn das ganze jetzt schon stark nach einer Wahlkampfveranstaltung der Linkspartei aussieht, ist es super das zu dem Thema überhaupt was läuft.

Abendgestaltung

Am Samstag, den 19.01 ist des Abends viel geboten: Die Antifa NT lädt zur „first political mosh party“ (die zwote) ins Feierwerk, ab 19:00, mit kaput krauts, nic knatterton, Pascow, und anderen. Die ladyfest crew mach ein Solifest für sich in der Roten Sonne, mit Beißpony, Electric Indigo, dem riot not diet DJ-team, und ein paar bands und DJ_anes mehr – ab 21:00.

antirep-demo am samstag.

Im Rahmen der schon angekündigten Aktionswoche ist am Samstag, den 19.01, um 14:00 eine Demo gegen staatliche repression. Losgehen tut es gegenüber vom Stachus, in der Sonnenstrasse. Den Aufruf findet ihr hier.

No integration!

In der Reihe no integration in den Münchner Kammersielen reden Werner Schiffauer und Manuela Bojadzijev am Freitag über Islamkonferenz, Integrationsgipfel und Antiislamismus: Zwischen repressiver Ausgrenzung und islamophilen Positionen. Das ganze am Freitag, den 18.01.08 ab 21:00. Der Name Manuela Bojadzijev ist mir von verschiedenen Kanak Attak Texten in guter Erinnerung.

Nazis fordern „Luxus für alle“?

Nazis, die linke Styles kopieren, sind mittlerweile ein alter Hut. Trotzdem fand ich das da erstaunlich:
life deluxe for all - abolish capitalism - nationales münchen
(Gefunden hier: hxxp://logr.org/strassenkunst/archives/79 – die xx durch tt ersetzen). Erstaunlich nicht, weil Nazis ausnahmsweise ein schönes Bild produzieren – das können sie nicht, das Motiv ist ganz dreist von der Münchner Antifa NT geklaut, die Homepage der Münchner „Autonomen Nationalisten“ (um Mike Nwaiser) eingesetzt und das Antifa-logo mit einem grösserem AN Emblem überdeckt1. Erstaunlich deshalb, weil die Parole „life deluxe for all“ nun wirklich gegen einiges geht, wofür Nazis normalerweise sind. Einmal widerspricht der Luxus Bezug dem asketischem Selbstbild, und würde eher zu Leuten passen die stolz darauf sind dekadente Waschlappen zu sein (so wie ich). Und irgendwas „for all“ zu fordern widerspricht dem rassistischen Exklusivitätsanspruch namens Volksgemeinschaft. Weiterreichende Implikationen der Forderung „Luxus für alle“ werden bei Juli diskutiert. Es bleibt abzuwarten, ob andere Nazis so konsequent sind, den Münchner ANs dafür aufs Maul zu geben.

Tatsächlich dürften die Faschodeppen dieses Motiv nicht produziert haben, weil sie glauben damit ihre Inhalte rüberzubringen (vielleicht schon, aber dann wären sie wirklich beknackt). Ich sehe das eher als Ausdruck davon, dass Antifas für ANs ein absurdes Faszinosum darstellen. Einerseits hassen sie uns, dann werden wir wieder ein Stück weit bewundert. Und Nazis haben wohl eh nur selten den Anspruch, ihr Auftreten durchzudenken und auf Widersprüche abzuklopfen.

  1. Das Motiv danben ist auch geklaut [zurück]

Gutes Regionalgeld-bashing

Harald Winkler, der zu dem Thema auch nächst Woche referiert, hat einen guten Artikel zur Kritik am Regionalgeld geschrieben. Gut vor allem deshalb, weil er die sozialen Effekte einer Regionalgeldwirtschaft genau unter die Lupe nimmt, und sich nicht mit dem Verweis begnügt, Silvio Gesell sei Antisemit gewesen. Der Aspekt, dass Regionalgeld faktisch eine Art Kund_innenbeschaffungsmassnahme für den lokalen Mittelstand, ist mir etwas unterbelichtet. Wichtig finde ich aber diesen Kritikpunkt:

Es sind aber von seiten der VWeG [=Münchener „Verbindungswerk eG“] meines Wissens keinerlei soziale oder ökologische Standards festgelegt worden, die für die beteiligten Unternehmen in irgendeiner Weise verbindlich wären!
Im sogenannten „Qualitätssiegel des Verbindungswerks“ heißt es lediglich: „Gezielte Auswahl der Mitglieder nach Kompetenz und Qualität des Unternehmens- die Mitglieder sind persönlich bekannt.“ Irgendwelche Kriterien für „Kompetenz und Qualität“ werden nicht genannt. Persönliche Bekanntschaft ersetzt allgemein verbindliche Richtlinien. Mit dieser Methode schafft man keine Transparenz, sondern ein geradezu ideales Umfeld für Manipulation und Günstlingswirtschaft.

Früher haben linke Kollektivbetriebe gegründet, und versucht sich gegenseitig zu unterstützen – z.B. im Netzwerk München. Wenn heute z.B. Leute von attac-München meinen1, für den Münchner Regio Werbung machen zu müssen, dann ist das demgegenüber ein riesiger Rückschritt.

  1. So geschehen vor einigen Monaten bei einer Party in der Glocke [zurück]

mannigfalte Aktionen

Nächste Woche sind verschiedene Aktionen und Veranstaltungen, ein workshop und eine Demo zum Thema innere Sicherheit in München. Schaut vorbei.

Joseph Schmidt als Bürgerschreck

Ein Fahndungsbild, auf dem zu sehen ist wie eine verschwommene Gestalt gerade nach einer weissen Shilluette tritt, in dieser steht „Damit Sie nicht der nächste sind“ – so verbreitet das aktuelle Wahlplakat der CSU Panik.

Der designierte Wahlverlierer der CSU, Seppi Schmidt1 behauptet, mit diesem Wahlkampfthema den zwei Nazi-Listen Wähler_innen abspenstig machen zu wollen. Tatsächlich dürften die sich eher freuen, dass einerseits ihre offen rassistische Rethorik sich neben dem Getöse von „Hessenhimmler“ (Titanic) Koch, Peter „Gauleiter“ Gauweiler und Joseph „Seppi“ Schmidt nicht mehr so skandalträchtig liest, und sie andererseits in der komfortablen Position sind, die Stadtratsparteien von aussen kritisieren zu können. Insgesamt bewegt sich in der aktuellen Debatte um sog. „Ausländergewalt“ die CDU/CSU weiter nach rechts, die Faschos können sich freuen dass einige ihrer Postionen und Formulierungen enttabuisiert werden.
Seppi Schmidt war schonmal durch Faschorethorik aufgefallen, als er ankündigte die „Laus in der Mähne des bayerischen Löwen“ (gemeint war die Münchner SPD) auszumerzen. Siehe auch Telepolis zum gleichen Plakat, interessant ist das sogar die Münchner Polizei sich gegen die Panikmache verwehrt.

  1. In München stellt die SPD schon ewig den OB, speziell Ude wird wohl nie abgewählt werden. OB Kandidaten stellt die Münchner CSU aus Prinzip, nicht weil sie eine Chance hätten. [zurück]

Gefährliche Orte: Wohnungen und Bierzelte

Andersdeutsch hat einen Taz-Artikel verlinkt, in dem erklärt wird wie die zu Zeit so heiss diskutierte Jugendgewalt funktioniert, er geht dabei aber auch auf häusliche Gewalt ein:

Wenn in unseren Wohnungen Partner oder Kinder misshandelt werden, geschieht das nicht einmalig wie im Münchner U-Bahnhof, sondern wöchentlich und jahrelang, nur dass keine Überwachungskamera das Geschehen aufzeichnet. Die Folgen für die Opfer sind mitunter ebenso schlimm. Eine schnelle, erfolgreiche Ermittlung durch die Polizei bleibt aus, ebenso die öffentliche Anteilnahme an den Opfern. Tötungsdelikte, schwere Körperverletzung, sexuelle Nötigung, Missbrauch jeder Art geschehen meist nicht in dunklen Gassen, Parks oder U-Bahnhöfen. Tatort Nummer eins ist das traute Heim. Nur weil diese alltägliche Gewaltausübung meist unsichtbar bleibt, erscheint das Überwachungskamerabild vom Karatekick gegen den Münchner Rentner, erscheint die Gewalt der Straße als derart schockierend und unvorstellbar.

(Siehe dazu auch Lysis) Insgesamt ein lesenswerter Artikel, der mich auf einen Umstand aufmerksam gemacht hat – München ist was Ignoranz gegenüber bestimmten Gewaltforman angeht einen Schritt weiter, hier wird auch die sehr öffentliche Gewalt auf der Wiesn mit einem Achselzucken hingenommen. Kein Vergleich mit dem Tamtam, der in der letzten Wochen über die gehäuften U-Bahn Schlägereien gemacht wurde. Aus dem Bullenbericht über die Wiesn 20051:

Besonders positiv fällt die Bilanz im Bereich der Körperverletzung und gefährlichen Körperverletzung aus. Waren dort letztes Jahr noch 351 Körperverletzungen (davon 130 gefährliche Körperverletzungen) bekannt geworden, so wurden dieses Jahr 248 (davon 106 gefährliche Körperverletzungen) von der Wiesnpolizei bearbeitet.

Aber das ist bayerische Art, das auch mal härter hingelangt wird, das ist doch keinen Skandal wert. Wofür sind Masskrüge denn da?

Peter Gauleiter hat die rassistische Kampagne von CDU bis NPD, von Bild bis SZ, fast verpennt, jetzt findet er dass „Deutschland in der Münchner U-Bahn verteidigt wird“. Zu Hoffen bleibt, dass sich die Recken der CSU und ihres nächsten Koalitionspartners das nicht zu Herzen nehmen. Ansonsten brauche ich beim Fahren mit der Münchner U-Bahn keine Verteidigung durch irgendwen. Höchstens zur Wiesnzeit.

p.s.: X wiesn free youth! X

  1. Die Abschlussberichtre 06 und 07 waren nicht auffindbar, in dem von 2004 wurden die Zahlen nicht mal erwähnt. [zurück]

Ladyfest vormerken.

Am 25.-27. januar steigt das erste Münchner Ladyfest – vormerken! In diesem Rahmen wird ein Dokumentarfilmworkshop angeboten, der auch einen Termin eine Woche vorher beinhaltet.