Zur poppigen Nazi-“Kunst“

Über die Nazi Seite Strassenkunst.info habe ich schonmal geschrieben, und auch unkultur und aftershow.
Bei aftershow wird kurz darüber diskutiert, wieso Nazis pinke flyer machen – wo die Farbe doch so „unmännlich“ aussehe. Ob die Farbe pink ausserhalb der Linken überhaupt für irgendetwas steht, ausser vielleicht metrosexuelles Mackertum, ist eh fraglich.
Nazis bedienen sich recht umfangreich bei linker Symbolik – Antifa Embleme, etc. Unkultur behauptet:

Wenn Nazis diese Symbolik aufgreifen, sagt das wenig über sie (sie sind auf der Höhe der Zeit), aber einiges über den Zustand der Linken aus. Aufgabe dieser wäre es nicht in einen Rüstungswettlauf um das beste Identifikationsangebot mit Nazis und Popkultur einzustretten, sondern die besseren (Anti-)Politikansätze zu liefern.

Der erste Teil zumindest ist Quatsch. Das Nazis linke Motive übernehman, ist Ausdruck von dresi Sachen. Erstens, sie scheissen auf inhaltliche Widersprüche solange sie glauben dass es der „Sache“ dient. Zweitens, sie kriegen derzeit wenig originär Nazimässiges hin. Und drittens, und nicht zu unterschätzen, „um denen eins auszuwischen. Wie man in der Vergangenheit gesehen hat distanzieren sich die dummen Antifas sogar von ihren eigenen Logos, (NSBA) nur um nicht mit uns verwechselt zu werden.“ – so schreibt jemand im Namen der Münchner ANs1. Gegen diese Strategie, uns unsere Ausdrucksmittel zu mopsen, hilft es nur sich immer wieder um die Inhalte in diesen öffentlich zu streiten. Das der oben zitierte Fascho überhaupt zu dieser Frage Stellung nimmt, ist so zustande gekommen: Münchner Nazis haben von der Münchner Antifa das Motiv „Life deluxe for all“ genommen, ihre eigenen homepage eingefügt, und es auf der strassenkunst-Seite veröffentlicht. Die Antifa schrieb etwas dazu, warum das total beknackt ist – von mir hier dokumentiert – und die Nazis entfernten das Motiv von der Seite und streiten sich nun darum, ob teutsche Recken klauen dürfen oder ackern müssen. Die öffentliche Auseinandersetzung um die geklauten Symbole hat sich also gelohnt.

Unsere Symbole sind für uns ein wichtiges Mittel zum Zweck, damit sie diesen Zweck erfüllen müssen sie schick sein und ihre Bedeutung muss vermittelt werden. Sich zu beklagen, dass das ja fies identitär sei oder sich in Selbstzweifel zu stürzen wann immer ein Nazi mit Basecap vorbeiläuft ist nicht zielführend.

  1. Quelle: hxxp://logr.org/strassenkunst/archives/210 die xx in durch tt ersetzen. [zurück]

5 Antworten auf “Zur poppigen Nazi-“Kunst“”


  1. 1 mobster 31. Januar 2008 um 15:46 Uhr

    Nazis linke Motive übernehman, ist Ausdruck von dresi Sachen. Erstens, sie scheissen auf inhaltliche Widersprüche solange sie glauben dass es der “Sache” dient. Zweitens, sie kriegen derzeit wenig originär Nazimässiges hin.

    Kann Dir nur voll zustimmen. An was für traditionen soll der deutsche Nazi auch kulturell anknüpfen, wo doch alles „entartet“ war. Da kriegen beispielsweise die italienischen Faschisten kulturell schon mehr hin, wie das Beispiel Casa Pound zeigt.

  2. 2 waiting 01. Februar 2008 um 1:15 Uhr

    „Unsere Symbole sind für uns ein wichtiges Mittel zum Zweck, damit sie diesen Zweck erfüllen müssen sie schick sein und ihre Bedeutung muss vermittelt werden. Sich zu beklagen, dass das ja fies identitär sei oder sich in Selbstzweifel zu stürzen wann immer ein Nazi mit Basecap vorbeiläuft ist nicht zielführend.“

    ziemlich manipulativ, der ansatz.
    wieso müssen sie denn schick sein? wieso nicht negativ, hässlich, zerstörend, also die realität reflektierend, um sie bewusst zu machen?
    die linke sollte sich dem reklamehaftem enthalten und sagen was ist, um die versprechen der reklame irgendwann einlösen zu können.

  3. 3 Bikepunk 089 01. Februar 2008 um 13:35 Uhr

    Mir geht es nicht darum, dass jedwede Propagande total schön sein muss, wenn ich „unsere Symbole“ schreibe meine ich damit z.B. das Antifa-symbol. Das trage ich nicht um die Realität zu reflektieren, sondern um meinen politischen Standpunkt sichtbar zu machen. Das kann durchaus mal antiästhetisch sein, muss aber nicht – wenn wir gut finden was wir politisch machen, warum sollten wir dabei mit Büsserhemden und Asche auf dem Haupt rumlaufen – ausser vielleicht, um die Forderung „Luxus für alle“ zu konterkarieren?

    Manipulativ verhalte ich mich erst, wenn ich bewusst andere Inhalte transportiere als die, die ich eigentlich vertrete. Und das kann ich auch mit total hässlichen Flugblättern.

    Die Linke sollte sagen was ist und was sie will, und das in lesbarer und ansprechender Form. Sonst löst niemand diese Versprechen ein.

  4. 4 Antifa Jugend München 04. Februar 2008 um 1:15 Uhr

    Das Lustigste: Wie kommt der Betreiber der „Strassenkunst“-Seite drauf, dass dieses Motiv von uns ist? Ich bin grad abgebrochen, als ich mir die Stellungnahme durchgelesen hab. Nicht nur das auf dem Wallpaper auf der NT-Homepage, das dort mehr oder weniger verlinkt wird, „Antifa NT“ und „www.antifa-nt.de“ steht, es besteht auch noch keinerlei Verlinkung zwischen diesem Wallpaper und unserem Gruppennamen…sehr seltsam :D

  5. 5 Bikepunk 089 04. Februar 2008 um 3:33 Uhr

    @ajm
    stimmt, das habe ich auch so garnicht verstanden wie die auf Jugendantifa gekommen sind. einfach nur dumm.

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