Archiv für Dezember 2007

4.01 – Nazis stoppen

Die Faschos der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ (=NPD München) wollen am Freitag, den 4.01 einen Aufmarsch durch München durchführen. Sie mobilisieren für 16:00 auf den Max Josephs Platz (bei der Oper) und wollen durch die Innenstadt und über den Marienplatz ziehen. Treffpunkt für Gegenaktionen ist um 14:00 am Sendlinger Tor, um 14:30 startet dort eine Demo gegen die Nazis und die rassistische Kampagne für Doppelbestrafung.

„Du trägst Pali, du bist Antisemit!“

Ein weitere Knallkopf-Kommentar, diesmal von einem Genossen. Bei der gestrigen Mahnwache der Münchner NPD-“Tarn“liste „Bürgerinitiative Ausländerstop“ ergab sich am Rand der Gegenaktionen ein Wortgefecht zwischen dem Nazikader Norman Bordin, und einigen Antifaschist_innen. Mensch muss sich das so vorstellen: Bordin und ein Kamerad stehen nebeneinander, hinter ihnen ungefähr 8 Zivibullen – ein traumhaftes Motiv für ein Gruppenbild. 5 Meter steht weiter ein Trupp der zahlreich vertretenen Bereitschaftsbullen. In dieser Situation hielt ein antifaschistischer Knallkopf Bordin vor „Hey, Norman, du bist doch voll der Antisemit!“ worauf dieser erwiderte „Nein, bin ich nicht.“ Der Genosse „Aber ich hab Photos vonb dir gesehen, wo du ein Palituch trägst!“. Darauf Bordin – auf einen Palituchtragenden Antifa zeigend – „Ist der da dann auch Antisemit?“, der erste Antifa antwortete „Ja, aber der ist ein linker Antisemit.“
Später trat dann ein ca. 15 jähriger Punk auf den Plan, der inhaltlich etwas fitter war und Bordin ziemlich erfolgreich unter den Tisch schwallte.

Grundsätzlich ist die Unterstellung, dass jede_r Palituchträger_in antisemitisch ist haarsträubender Blödsinn, vor allem aber ist es bekloppt auf diesem Punkt gegenüber einem Fascho herumzureiten. Norman Bordin und seine Leute sind nicht das Ziel unserer Agitation, der einzige Zweck sich auf diese Wortgefechte einzulassen ist zu verhindern dass sie unwidersprochen Bürger_innen agitieren können. Hinzu kommt, dass viele Faschos begeisterte Prozesshanseln sind, und sich über Vorwände für Anzeigen freuen – ein echter Grund aufzupassen, was mensch sagt. Bordin reagiert besonders empfindlich auf die Behauptung, er sei wegen des rassistischen Überfalls in der Zenettistr. am 13.01.01 verknackt worden, und zeigt gerne Leute wegen Verleumdung an. Technisch gesehen ist er bei diesem Überfall nur verhaftet worden (und hat angeblich in der Zelle jemanden verprügelt), seine 15 Monate Kanst in diesem Zusammenhang hat er nicht wegen dem rassistischen Beinahe-Mord aufgebrummt gekriegt.

und nicht vergessen. 4.01.08 – aktiv gegen den Naziaufmarsch werden!

Nazi Aufmarsch nächste Woche in München

Für morgen (Sa. 29.12) hat die Münchner NPD-Tarnliste „Bürgerinitiative Ausländerstop“ eine Kundgebung am Marienplatz angesetzt, am Freitag den 4.01 ist ein Naziaufmarsch durch München geplant. Für diesen wurde Udo Voigt als Redner angefragt1. Thematisch sind beide Aktionen Trittbrettfahrten bei Bild und CSU, die einen brutalen Überfall auf einen Aktivbürger für eine rassistische Kampagne ausschlachten. Gerade bei so anschlussfähigen Themen ist eine antifaschistische Präsenz unbedingt nötig. Über Gegenaktionen ist noch nichts bekannt – aber morgen werden sicher ein paar Leute am Start sein, und gegen den Aufmarsch haltet ihr euch bei Aida, der NT oder in eurer liebsten Szenelocation auf dem laufenden.

  1. hxxp://www.auslaenderstop-muenchen.de/mwache.htm [zurück]

Rassismus als Antiterrorkampf

In der Welt Online-Ausgabe ist ein Lehrbuchbeispiel für die Verknüpfung von Rassismus mit Sicherheitsdiskursen. Die Quintessenz des Artikels: Weil die Mittel fehlen, um Migrant_innen auf dem Weg nach Europa im Mittelmehr zu stoppen, droht eine Invasion von „Afrikas Al-Quaida“, die EU ist „ein schwacher Gegner“ für diese, also nicht militarisiert genug. Der Titel „Europas Freiheit wird im Mittelmeer verteidigt“ soll Zustände wie am Hindukusch andeuten, das in dem Artikel nicht explizit Tornados für die Grenzsicherung gefordert werden verwundert schon fast.
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Eine kleine gute Nachricht

Die Lettow-Vorbeck-Straße in Fürstenfeldbruck wurde umbenannt, damit erinnert eine Strasse weniger an einen deutschen Kolonialschlächter. Die Initiative dazu kam interessanterweise von einem CSU-Bürgermeister, der das „das alte, leidige Thema beenden“ wollte. Wer nervt gewinnt!

Zur Wahrnehmung von Fascho-aktivistinnen

„Lange Zeit wurden extrem rechte Frauen – auch von antifaschistischen Gruppen – nicht als eigenständige Akteurinnen wahrgenommen“ schreibt die Lotta #28. Ein konkretes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach die Art und Weise, wie über die „Überläufer_innen“ Alexander Maetzing und Kathrin Q. in Münchner Szenekreisen geredet wurde. Beide bewegten sich in Münchens Skin-Szene und bezeichneten sich selbst als unpolitisch (wobei die rechte Vergangenheit Maetzings kein Geheimnis war), besuchten aber auch bisweilen linke Orte wie den Infoladen oder das Kafe Marat. Im Herbst 2002 schlossen sich beide der Kameradschaft Süd um Martin Wiese an, gleich bei ihrer ersten Aktion, einer Mahnwache gegen die Wehrmachtsaustellung, waren beide organisatorisch eingebunden: Alexander Maetzing als Ordner, Kathrin Q. besorgte bei der Feier danach den Bierausschank. Maetzing war dann ab Frühjahr 2003 Stellvertreter Wieses, Q. leitete eine Zeitlang die Anti-Antifa AG der Kameradschaft. Wegen des (vom inneren Kreis der KS Süd) geplanten Bombenanschlags auf die Grundsteinlegung für das jüdische Zentrum Münchens wurde Maetzing zu 5 Jahren und 9 Monaten verknackt. Das steht alles genauer in der aida-Broschüre „Sprengstoff in München“ (die zurzeit nicht online ist), und zum Teil in meinem Artikel über Jessica Fasel.
Worauf ich aber hinauswill, ist folgendes – als Maetzing und Q. das erste Mal öffentlich als Nazis auftraten, machte das sehr schnell die Runde. Viele linke Punks und Skins, die sonst nicht gegen jeden Nazi-infostand auf die Strasse gingen, waren bei den Aktionen gegen die damals wöchentlichen Nazi-mahnwachen präsent: Weil sie sich mit eigenen Augen überzeugen wollten, dass einer den mensch mindestens von Sehen kannte, plötzlich auf der anderen Seite stand, und weil viele auf Maetzing extra sauer waren. Im Winter 2002/2003 wurde über die beiden etwa so diskutiert: Maetzing war der verräterische Überläufer, Hassobjekt und ein echtes Argument dafür Leuten mit rechter Vergangenheit gegenüber misstrauischer zu sein. Q. wurde entweder nicht erwähnt, oder war halt mit ihm mit ins Fascho-Lager gewechselt,. Verschiedene Leute (in meiner Erinnerung keine einzige Frau), eher Punks als explizit politische Menschen, wärmten Geschichten auf, nach denen Queisser mal in einem Pornofilm mitgespielt hatte. Die Erzählungen konzentrierten sich darauf, dass sie scheinbar eine erniedrigte Rolle spielte1. Die Art wie über dieses Detail gesprochen wurde hatte in meiner Wahrnehmung nichts mit sinnvoller Agression gegen eine politische Gegnerin zu tun. Aber viel mit männerbündlerischer Belustigung darüber, dass jemand die mann eh Scheisse findet öffentlich und sexistisch erniedrigt wurde.
Weil hier über zwei Faschos mit sehr ähnlichen Karrieren geredet wurde, lassen sich aus dem Vergleich einige Schlüsse ziehen. Erstens, an Teilen einer diffus linken Punk-Szene sind antisexistische Basics komplett vorbeigegangen, beim Gejohle über Porno-rollen sind einige Punks auf CSU-Niveau. Bei Naziaktivistinnen wird bereitwilliger unterstelt, dass sie nicht aus komplett eigener Entscheidung bei dem Scheiss mitmachen. Grosse Fascho-Skins werden – als Bedrohung, und als mögliches Ziel eigener Aktionen – eher ernst genommen als nicht ganz so grosse Fascho-Renees. Das wären ein paar Denkfehler, die nicht wenige Leute vor 5 Jahren gemacht haben. Es gibt keinen Grund sie zu wiederholen.

  1. Ich habe den Film nie gesehen, die Erzählungen waren recht explizit. Ich fände es aber verkehrt die Darstellung hier zu reproduzieren. [zurück]

Krach

Morgen, Mittwoch den 19.12 spielen Oi Polloi und Civil Victim (Anarchopunk und Hardcore) im Marat, am Freitag dann Ghostchant, Red Tape Parade, Pangaea (Screamo und Hardcore). Und ein Interview mit Deek von Oi Polloi gibt’s auf der Kafeseite.

Das Nähkästchen

Heute Abend, also am 12.12.07, plaudert die Karawane München aus dem Nähkästchen (Im Mittwochskafe). Wer es nicht weiss: die Karawane München ist eine antirassistische Gruppe, in der Flüchtlinge, Leute mit hiesigem Pass und andere zusammenarbeiten. Bei dieser Veranstaltung erzählen Karawane Aktivist_innen, was sie neben Demos noch so machen, warum ihre Abeit eine Perspektive gegen den Nationalstaat darstellt, und warum das soziale politisch und wichtig ist. Hingehen!

fast vergessen ….

Der Demo-Marathon am 8.12 geht nach der Irak-Demo weiter – am Abend sind die alljährlichen „Bogenaeusener Gespräche“ der rechten Burschenschaft Danubia, Gegenaktionen sollen in Vorbereitung sein.

samstag

Am Samstag, den 8.12 findet gegenüber der JVA Stadelheim eine Solidaritätskundgebung für die drei Punx statt, die versucht hatten in der Münchner Westendstr. ein Haus zu besetzen. Die Kundgebung geht um 11:00 los, Die nächsten Haltestelle sind Giseing (U2) und Stadelheimerstr. (Bus 139). Weiter gehts an diesem Tag mit der grossen Demo gegen Abschiebungen in den Irak – ab 13:00 am Georg Freundorfer Platz (U$/U5 Schwanthalerhöhe). Wer eine von beiden schwänzt wird auf dem Schulhof zurecht gehänselt.