Wo Polizeihunde zur Schule gehen

Mit diesen Worten beschreibt die bayerische Bereitschaftspolizei1 die „Diensthundeschule Herzogau.“ Ausser Hunden werden in der Bullenkaserne auch die Hunderfüher_innen ausgebildet, neben ihrem Handwerk – Hunde auf Leute hetzen, Drogen finden, etc. – lernen die dort auch die Bullenhierarchie kennen. Das geht so:

Polizistinnen [sollen] bei Abschlussfeiern sexuell erniedrigt worden sein. […] Die Rede [ist] von Übergriffen auf junge Kollegen, die „Urin trinken oder aus Essensresten und Abfällen gemixte Speisen verzehren“ mussten. Vor allem Frauen seien Opfer gewesen.
Polizistinnen sollen dem Schreiben zufolge gezwungen worden sein, auf Knien Bier aus Schüsseln vom Schoß eines Ausbilders zu trinken.
Sie seien an Stachelhalsbändern auf allen vieren durch den Raum geführt worden, „mussten unter den Tisch kriechen und bellen wie ein Hund oder wurden mittels Stromstößen durch ein Elektrodressurhalsband traktiert“


So zitiert die Süddeutsche einen 8 Seiten langen, anonymen Brief, den Ende Oktober offensichtlich von einem Insider oder einer Insiderin erhalten hat. Paralellen zum USK drängen sich förmlich auf – bei der Spezial-prügeltruppe der bayerischen Polizei hatten sich die Bullen systematisch gegenseitig erniedrigt, dort hatten die Folterspielchen einerseits einen eindeutig sexistischen Charakter, andererseits waren sie durchaus funktional für den Polizeiberuf.
Bei der Hundeschule scheint es weniger um Abhärtung für den Einsatz zu gehen. Im Vordergrund stehen eher die Verfestigung der Hierarchie im Bullenapparat, und dass sich einige Ausbilder ihr Selbstbild als Mann, Macho und Nazi-Nachfahre bewahren wollen:

In dem anonymen Schreiben werden Ausbilder beschuldigt Sachen gesagt zu haben, wie „unsere Polizeischlampen, die lieber kochen lernen sollten, als Polizei spielen zu wollen“. Außerdem sollen Hundeführerinnen verspottet worden sein. So wurde sie bezeichnet als „das Arschloch am anderen Ende der Leine“.
Das Gebäude, in dem sich die Diensthundeschule Herzogau befindet, war früher ein SS-Heim. Die Ausbilder sollen auf diesen Umstand besonders stolz gewesen sein. In dem Schreiben heißt es, dass Ausbilder sich damit gerühmt hätten, in Betten zu schlafen, in denen vor ihnen schon „richtige Männer“ lagen.

(welt) Diese und andere Vorwürfe in dem anonymen Brief wurden später durch (wieder den Zeitungen anonym zugesandte) Bilder untermauert, diese sind nicht online verfügbar.

Ein Stück Comey sind die öffentlichen Reaktionen von den oberen Knallchargen aus Politik und Polizei: der GDP Chef Herrmann Benker sieht eine „öffentliche Hatz“ gegen sein Klientel, und der neue bayerische Innenminister Herrmann ist sich mit Sprechern der SPD-Opposition über die Problembestimmung einig – „Ich werde auf keinen Fall zulassen, dass das Ansehen der Polizei in Mitleidenschaft gezogen wirdverkündet Herrmann, Schuster von der SPD sieht „die Gefahr, dass die Bevölkerung das Vertrauen in die Polizei verliert“.
Bloss nix auf die Polizei kommen lassen, das ist das Motto allerortens.

Ermittlungen, bei denen die dort ausgebildeten Polizistinnen verhört wurden, ergaben laut Staatsanwaltschaft, dass es keine Übergriffe, Erniedrigungen oder Nazi-Sprüche gegeben habe. Die „Erstlingshundeführertaufe“ sei tatsächlich so abgelaufen, dass die Absolvent_innen mit Elektrohalsbändern herumgeführt worden sind und Bier aus dem Schoss ihrer Ausbilder trinken mussten, aber dass sei freiwillig und eine „Mordsgaudi“ gewesen.
So funktioniert Corpsgeist: Wer petzt, weiss dass er oder sie mit fiesem Mobbing zu rechnen hat. Also lieber die Schnauze halten. Damit gehört es dazu, den ganzen Scheiss an Unterwerfungen mitzumachen – die andern jammern ja auch nicht. Und wenn z.B. Sepp aus Straubing und Angie aus Fürstenfeld dazugehören wollen, dann werden sie wohl mitmachen, so viel schlimmer als die Spässe am Schulhof und im Burschenverein2 sind die Bullenrituale ja nicht. Durch diese Art des dazugehören-Wollens übernehmen Sepp und Angie auch ein Stück weit das Mackertum ihrer Ausbilder – von dem die Angie wiederum viel unangenehmer betroffen ist als der Sepp.
So oder so, für die dienstliche Erniedrigung die jede Amtshierarchie darstellt, haben sich die Polizist_innen freiwillig entschieden. Dass die amtliche Hackordnung auch nach Dienstschluss gepflegt und feiner ausdifferenziert wird dürfte für niemanden mehr eine Überaschung sein. Wer einen Funken Rückgrat oder Selbstbewusstsein hat, macht um Bund und Bullerei also einen grossen Bogen. Über zwei Aspekte kann ich trotzdem nicht spotten: Bullen die ihre Arbeit tun sind eklig genug, welche die dabei auch noch Fascho-Allüren ausleben sind schlimmer. Und sexistischen Übergriffen kann ich niemals etwas lustiges abgewinnen, noch nicht mal wenn die Betroffenen die Arschlöcher sind die Hunde auf mich und meine Genoss_innen hetzen.

  • hxxp://www.polizei.bayern.de/bepo/wir/aufgaben/dienststellen/index.html/1551 [zurück]
  • Üblich in Bayern auf dem Land – die unverheirateten jungen Männer aus einem Dorf bilden den Burschenverein, Tätigkeiten sind Saufen, Maibaumklauen und sich gegenseitig in der eigenen Speissigkeit bestärken. [zurück]

  • 2 Antworten auf “Wo Polizeihunde zur Schule gehen”


    1. 1 J.Meier 25. März 2008 um 15:40 Uhr

      Wieso ist dieser Mist eigentlich noch im Netz, wenn sich alles als haltlos erwiesen hat? Gibt es für Poizisten keinen Persönlichkeits-
      schutz ?
      Zur Sache: Ein Innenminister der erst handelt und dann prüft tut genau das Gegenteil von dem was er von jedem seiner Beamten zu
      jeder Zeit verlangt. Das stimmt schon sehr bedenklich
      Wenn Herr Mageth noch mehr Sackmanns in seinen Reihen hat, braucht
      man sich über die Wahlergebnisse nicht zu wundern.
      Die beiden Personaalräte sollten unbedingt wieder gewählt und
      dann aber freigesetellt werden,dann können sie wenigstens auf
      der Straße keinen Unsinn anrichten.

    2. 2 Wolfgang Meyer 11. Dezember 2008 um 20:14 Uhr

      Solche Anschuldigungen
      dürften nicht ungeprüft veröffentlicht werden.

      Die Polizeiarbeit, wie auch in anderen Dienststellen, mit dem Diensthund ist schon gewaltig genug. 365 Tage & Nächte.

      Dann muss man so einen Schwachsinn wie über die Kollegen sich nicht antun und sollte strafrechtlich verfolgt werden.

      Das kennzeichnet aber explizit die dämliche Anpr

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