Archiv für Oktober 2007

Traditionpflege

Zur Motivation deutscher Soldaten für Gewaltoperationen im Ausland knüpft die Bundeswehr-Führung an Wehrmachts-Traditionen an.

So bringt es german foreign policy (gfp) auf den Punkt (ein Teil des Berichtes ist auch bei waiting zitiert), Anlass für den Bericht ist die Einweihung eines deutschen Soldatenfriedhofs in Lettland unter Beteiligung hoher Bundeswehr-chargen.
Damit diese Traditionen „anknüpfbar“ sind, muss das Bild von der sauberen Wehrmacht gezeichnet werden, wozu u.a. Traditionstreffen dienen. Zu diesem Bild gehört die Leugnung und Relativierung der Verbrechen der Wehrmacht, und der Bezug auf Stauffenberg und Co. Von Geschichtsbewussten Antifas wird dagegen seit Jahren (wieder) verstärkt interveniert, diese Praxis hat durchaus das Potential nachhaltig am Bild der Bundeswehr zu kratzen – das Verteidigungsminister Jung in Mittenwald explizit auf die Vorwürfe gegen die historische Gebirgstruppe und ihren Kameradenkreis eingeht, zeigt eine gewisse Defensive:

Fast zeitgleich mit dem Auftritt des Generalinspekteurs in Riga besuchte Verteidigungsminister Franz Josef Jung die Einheiten der deutschen Gebirgstruppe im bayerischen Mittenwald. Nach Auskunft eines CDU-Bundestagsabgeordneten legte er dabei „ein klares Bekenntnis zum alljährlichen Pfingsttreffen der Gebirgstruppe auf dem Hohen Brendten ab“; der Minister halte die Feier keineswegs für „eine Kriegsverbrecher-Veranstaltung, sondern (für) eine Versöhnungsfeier mit internationalen Teilnehmern“

Neben Mittenwald ist auch das Ulrichsbergtreffen im Kärntner Klagenfurt Angriffspunkt einer langfristigen Kampagne, ausserdem gab es eine punktuelle Intervention gegen ein Fallschirmjägertreffen auf Maleme, und die FAU-München hat in Regensburg ein lohnendes Ziel ausgemacht. Alles Beispiele aus dem Süden, wer Beispiele aus andern Teilen der BRD kent – gerne ergänzen.
Der gfp Artikel weist auf die Bedeutung von Kriegsgräbern und den Diskursen, die mit diesen verknüpft sind hin, auch in Osteuropa:

Die populäre Ehrerbietung für die Lettische Legion, die im Ausland regelmäßig auf Proteste stößt, wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge bis heute genährt: Er führt alljährlich Besuchsfahrten zum SS-Friedhof in Lestene durch. Kritik daran weist er energisch zurück. Die Proteste würden „von Funktionären gesteuert“, „Altkommunisten“, „die versuchen, das Thema Kriegsgräberfürsorge politisch auszunutzen“, sagte kürzlich der Präsident der Organisation, Reinhard Führer. „Schwierigkeiten“ dieser Art habe man vor allem „in einigen Bereichen Russlands, in Weißrussland und Tschechien“.[6] In diesen Staaten widersetzen sich bis heute weite Teile der Bevölkerung sowohl deutschen Hegemonialplänen als auch der Umdeutung der NS-Geschichte.

Wieso nicht mal versuchen, in Zusammenarbeit mit tschechischen Antifas da was zu machen?

Veranstaltung & Konzert

Am Do., den 04.10 referiert Robert Andreasch (Aida-archiv) über das Amerikabild der NPD, dazu gibt es dass gewohnte 1-4 Gänge Menü. Am Fr., den 05.10 spielen iros meiden, the rancors, ranzig und abführmittel – Alles Punk, alles Soli für die 3 verhinderten Hausbesetzer_innen aus Münchens Westend. Beides im Marat, Thalkirchnerstr. 104.

Elsässer-Bashing

Waiting hat einen Text über einen Elsässer Vortrag geschrieben, eine kurze Kritik an dessen inhaltlichen Standpunkten (die Kritik kann ich so wie sie da steht im grossen und ganzen teilen) und eine längere an seiner manipulativen Art. Zu letzterem Teil kann ich nicht viel sagen, weil ich wenig von Elsässer gelesen, und noch garnichts von ihm gehört habe – soweit ich ihn im Original kenne, sehe ich keinen Widerspruch zu Waitings Stilkritk. Ich sach mal lesenswert.

Solikonzert

Am Di., 02.10 spielen Jayne Wayne and the pink popes (popepop) im Marat, hinterher Auflegerei. Das ganze ist ein Solikonzert für G8 Repressionskosten.