Nachtrag zur Antiamerikanismus-Veranstaltung

Wie auch in diesem Blog angekündigt, war am vergangenen Donnerstag im Antifa Cafe im Kafe Marat eine Veranstaltung über das Amerika Bild der NPD. Insbesondere im Übergang vom rechten zum linken Antiamerikanismus fand ich ein paar Sachen ärgerlich platt, inhaltlich und im Diskussionsverlauf. Für die die nicht da waren gibt es eine kleine Zusammenfassung des Vortrags, danach meine Kritik. Ziel und Zweck ist nicht, den Referenten oder andere Mitdiskutant_innen zu dissen, sondern ein paar Punkte nachzureichen die in der Diskussion nicht präsent waren.

Zugrunde lag die Antiamerikanismusdefinition von Paul Hollander. Dem Vortrag nach gibt es in Faschokreisen nicht so sehr ein geschlossenes Bild oder Stereotyp der USA, diese sind eher Projektionsfläche für den Hass auf liberale Werte und für alles was an der modernen Welt grade Scheisse gefunden wird, sei fast-food oder Multikulti. Dabei findet ein starke Verquickung mit antisemitischen Stereotypen über das Ostküstenkapital statt. Während für die NPD Antiamerikanismus derzeit ein zentraler Inhalt ist, war die zu Zeiten des Kalten Krieges überhaupt nicht der Fall. Der Referent kritiserte Antiamerikanismus als wahnhaftes Modell der Welterklärung, das aus dem Neid auf als US-amerikanisch wahrgenommene Errungenschaft folgt. Der Antiamerikanismus der NPD wurde als anschlussfähig an den Mainstream beschrieben, in diesem Zusammenhang wurde auch auf linken Antiamerikanismus hingewiesen, der gleichen Bilder bemühe – wobei der Referent sich nicht zu der These verstieg, dass jede Kritik an den USA per se antiamerikanistisch sei, vielmehr müsse geguckt werden welche Projektionen hinter der Kritik stecken. Die Mehrheitsfähigkeit des Antiamerikanismus wurde anhand von Umfragen belegt, z.B. dazu wo die Verantwortung für Kriege gesehen wird. Dabei ist mir schleierhaft, warum es ein Beleg für irrationale Projektionen sein soll, wenn viele Leute die Frage „wer trägt die Verantwortung für die meisten Kriege?“ mit USA beantworten.
Für mich den höchsten Unterhaltungswert hatte ein Foto von einem Naziaufmarsch, bei dem Faschos ein Transparent mit der Aufschrift „Deutscher Wein statt Ami-Fusel“ trugen. Insbesondere die Coca-Cola Dose die den „Amifusel“ symbolisieren sollte war ein köstlicher Anblick, bewundernswert fand ich auch wie die Transpimaler_innen die „deutschen Weinreben“ so kränklich-blass hingekriegt haben. Bei aller Beknacktheit, gleichzeitig ist das eine der unmittelbar harmlosereren Faschoparolen – der Spruch „Bockwurst statt Döner“ enthält demgegenüber eine direkte Drohung gegenüber als „südländisch“ wahrgenommenen Menschen (Um mal bei der Gastronomie zu bleiben).

Die folgende Diskussion kam nochmal auf den (vermeintlichen oder tatsächlichen) linken Antiamerikanismus zurück, als Beispiel wurde ganz allgemein die alljährliche Mobilisierung gegen die NATO-Sicherheitskonferenz in München genannt. Und hier setzt meine Kritik an – an diesem Abend wurde Antiamerikanismus als Bestandteil aktueller faschistischer Ideologie behandelt, das war ja auch das Thema. Dabei wurde aber wenig Kritik am Antiamerikanismus formuliert – was auch konsequent ist: Mit Nazis will ich nicht diskutieren, also brauche ich wenig Argumente gegen sie. Es genügt, die Rolle zu verstehen die Antiamerikanismus als Welterklärungsmuster für Nazis spielt. Die Analyse konzentrierte sich auch auf den speziellen, stark rassistisch, antisemitisch und revanchistisch aufgeladenen Antiamerikanismus der NPD.
Von da dann ganz flink zum Antiamerikanismus in der linken überzugehen ist aber Banane, wenn die Kritik am Antiamerikanismus über „die Nazis machen das auch …“ nicht viel hinausgeht. Auf diese Art wird Antiamerikanismus zur Gemeinsamkeit zwischen linken und rechten stilisiert, dabei wird der Blick für sehr relevante Unterschiede – antisemitische oder rassistische Aufladung etwa, oder der Unterschied zwischen kulturalistischer und politischer Kritik – verstellt.
Wichtige Punkte für eine innerlinke Auseinandersetzung mit dem Antiamerikanismus wären a) die Kirche im Dorf lassen – es gibt tatsächliche schlimmeres b) grundsätzliche Kritik am Kulturalismus c) ein enger Fokus auf die USA kann andere Machtverhältnisse verschleiern d) wenn von linker Kritik an US Politik nur Ressentiments im Mainstream ankommen (und das ist eine Sache von Senderin wie Empfänger), können Rechte davon profitieren und überhaupt und sowieso – die Grenzen verlaufen immer noch nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten. Diese und andere Punkte wären weiterzudiskutieren, dazu gehört auch eine genauere Analyse welche Antiamerikanischen Projektionen in der linken relevant sind. Der Verweis darauf, dass die Faschos jetzt auch gegen die USA sind, taugt dabei nicht als Argument – höchstens als Augenöffner und zur innerlinken Feindbildpflege.


3 Antworten auf “Nachtrag zur Antiamerikanismus-Veranstaltung”


  1. 1 w 06. Oktober 2007 um 17:19 Uhr
  2. 2 Administrator 08. Oktober 2007 um 14:13 Uhr

    Eine (bislang) eher unspannende Diskussion über die Veranstaltung ist im southspace forum. Zu der Diskussion schreibe ich hier etwas mehr, weil von da viele Zugriffe auf dieses posting kommen.

    Die Diskussion taugt so weit vor allem als Beleg dafür, wie das Thema „Antiamerikanismus“ zur Feindbildpflege verbraten wird, hauptsächlioch durch selektives Zuhören: Aus dem Verweis darauf, dass der Antiamerikanismus der Nazis antisemitisch aufgeladen ist wird von Southspace user „George Washington“ (in dessen Zusammenfassung der Veranstaltung) ein innerer Zusammenhang aus beidem. Die oberflächlichen Verweise auf linken Antiaerikanismus im Vortrag wird bei diesem user zum Beleg für das „kaum von den rechten unterscheidbare und genauso ressentimentgeladene amerikabild der linken“ – gleichgültig, dass auch der Referent dass anders gesagt hatte.
    Dabei wird nicht mal angerissen, was denn jetzt am Antiamerikanismus so problematisch ist – das Thema wird nur noch zum verbalen einschlagen auf die linke benutzt. Ein prima Beispiel dafür liefert uns user Jawsii im gleichen thread:

    die widersprüche innerhalb der npd/rechten szene in bezug auf die konsumierung amerikanischer güter (musik, nahrung,..) wurden aufgzeigt und als unerklärbar hingestellt. (diese widersprüche sind allerdings nicht den rechten allein vorbehalten, sondern sowohl beim normalbürger wie auch bei den linken zu finden)
    die anschließende „diskusion“ war wie so oft mehr als überflüssig, da leute die eh weitgehend die gleiche meinung haben sich gegenseitig bestätigen…

    Davon abgesehen dass besagte Widersprüche erst in besagter „überflüssiger“ Diskussion zur Sprache kamen, schreibt er oder sie hier einfach quatsch – US-amerikanische Populär- und Gegenkultur wird in der linken nicht problematisiert, (es wird höchstens darüber gestritten ob McDonalds PC ist), linke Kritik an den USA bezieht sich auf die dortige Politik und Wirtschaft.
    Lange Schreibe, kurzer Sinn – die Diskussion auf Southspace belegt ganz gut, wie der Vortrag als Material zur Feindbildpflege verwendet wird. Auch wenn das nicht im Sinne des Referenten war, die oben angesprochenen Plattheiten bieten sich doch dafür an.

  1. 1 Meinungen » Blog Archive » Nachtrag zur Antiamerikanismus-Veranstaltung Pingback am 06. Oktober 2007 um 16:04 Uhr
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