African Socialism & the Elimination of Fancifulness

Den Beitrag von Senfo Tonkam auf dem Panafrikanismustag in München fand ich etwas ärgerlich. In seinem Referat „Globalisierung und Afrika“ zeichnete er das Bild einer in sich harmonischen, fortschrittlichen und konfliktfreien präkolonialen Afrikanischen Gesellschaft. Ich verstehe durchaus das Bemühen, einer Geschichtsschreibung die die das präkoloniale Afrika als geschichtslos, barbarisch oder beides beschreibt etwas entgegen zu setzen. In Senfo Tonkams Beitrag geschah das aber m.E. nach so platt und idealisierend, dass es mir schwergefallen ist ihn überhaupt ernst zu nehmen – sobald der Beitrag online gestellt wird verlinke ich ihn hier, dann können die, die nicht da waren selber gucken.
Jedenfalls war unter diesem Eindruck der Text „African Socialism revisited“ von Kwame Nkrumah nachgerade erfrischend. Er beschreibt das präkoloniale Afrika als hierarchische Feudalgesellschaft, in der es aber urkommunistische und egalitäre Tendenzen gegeben hat. Um sich auf diese positiv zu beziehen, müsse mensch garnicht glauben oder behaupten dass die Gesellschaften insgesamt total egalitär gewesen seien:

Thus, what socialist thought in Africa must recapture is not the structure of the “traditional African society” but its spirit, for the spirit of communalism is crystallised in its humanism and in its reconciliation of individual advancement with group welfare.

Kein langer Text, und well worth the read – ein paar Kritikpunkte habe ich aber noch. Nkrumh schreibt viel von Objektivität und von wissenschaftlichem Marxismus, was dann faktisch auf die Partei als Trägerin des wissenschaftlichen Wissens rausläuft. Und die Subjekte sozialistischer Entwicklung sind in diesem Text nur Staaten, andere Akteure kommen nicht vor. Aber bei aller Kritik am wissenschaftlichem Marxismus, das Schlusswort ist einfach Klasse:

It is the elimination of fancifulness from socialist action that makes socialism scientific. To suppose that there are tribal, national, or racial socialisms is to abandon objectivity in favour of chauvinism.