Menschenrechtskrieg nach innen, so wird’s gemacht

Anders deutsch berichtete vor einem Monat, wie in Australien mit dem Totschlagargument „Kindesmissbrauch“ Stimmung gegen Aboriginy-Communities gemacht wird. Anlass ist eine Untersuchung, nach der sexuelle Gewalt gegen Kinder in diesen Communities besonders verbreitet ist. Als eine Ursache wird in der Studie der verbreitete Alkoholismus angegeben. Im öffentlichen Diskurs wird diese Gewalt als rein kulturelles Problem verhandelt. Weisse Communities wurden nicht untersucht. Auf diese Hetze folgen nun Taten – Präsident Howard rief den Notstand (via)(längerer jW Artikel) aus, zu den Massnahmen „gegen Kindesmissbrauch“ gehört die Präsenz von Militär und Bundespolizei (darunter auch welche mit Erfahrungen in internationalen Militäreinsätzen, z.B. Osttimor) in etlichen Communities, die die „Manager“ die die Bundesregierung einsetzt unterstützen sollen. Vorgeschlagen wurde auch eine zwangsweise Untersuchung von minderjährigen auf Spuren von sexualisierter Gewalt, was stark an die gestohlenen Generationen erinnert. Krass ist auch dieser Punkt:

aufgrund des ausgerufenen nationalen Notstands konnten die Landrechte und das Permit-System [mit dem Land, das zu Aboriginy-Communities gehört, nur mit deren Erlaubnis genutzt werden kann (bikepunk),] ausgehebelt werden (das ist vor allem unter dem Gesichtspunkt interessant, dass in den Gebieten riesige Uranvorkommen sind und man in Australien gerade im grossen Stil von Kohle- auf Atomkraftwerke umsteigen will)

Ein soziales Problem mit einer de-fakto Besetzung1 lösen zu wollen, ist vollkommen absurd. Das es politisch durchsetzbar ist, hat wohl zwei Gründe: Zum einem geht es um sexualisierte Gewalt gegen Kinder, da erscheint jede Massnahme angemessen. Zum anderen haben in der kulturalistischen Logik die krassen Zustände in vielen Aboriginy-Familien keine sozialen Ursachen – „Ist halt deren Kultur“. Da ist eine Entmündigung und General-Repression nur folgerichtig.

  1. Ich will hier nicht behaupten, dass soziale oder sozialstaatliche Massnahmen ohne Militär und Bullen per se „unschuldig“ sind. Im konkreten Fall ist das auseinanderklaffen von Problem und „Lösung“ aber besonders krass. [zurück]

3 Antworten auf “Menschenrechtskrieg nach innen, so wird’s gemacht”


  1. 1 ... 18. Juli 2007 um 15:35 Uhr

    Ich finde die differenzierteste Analyse der Situation findet sich hier: http://wendy.blogsport.de/2007/06/28/pornoverbot-fuer-aborigines/ .

    ;-)

  2. 2 ... 20. Juli 2007 um 10:40 Uhr

    Nachdem du mich nochmal drauf hingewiesen hast, habe ich mir deinen Beitrag abermals (!) durchgelesen. Nett, gut, schön. Die Links sind zwar nicht so der Hammer, aber was solls.

    *thumbs up*

    Mein Artikel ist trotzdem besser.

  1. 1 Menschenrechtskrieg und Communities Response | bikepunk 089 Pingback am 17. Oktober 2007 um 14:59 Uhr
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