Ausstellung über Auschwitz Prozess in München

Zu Zeit ist im Münchner Justizpalast eine Ausstellung über den Ausschwitz-Prozess in Frankfurt, der im Zeitraum 1963 – 1965 geführt wurde. Der Prozess wurde gegen 20 SS-Angehörige geführt, die im Vernichtungslager Ausschwitz gemordet haben. Einige der Täter wurden freigesprochen, fast alle (oder alle) die verurteilt wurden (zum grössten Teil lebenslänglich) wurden vorzeitig aus der Haft entlassen. Die Austellung ist noch bis zum 27.07, und ich empfehle allen hinzugehen.
Den inhaltlichen Kern der Ausstellung bilden Portaits von 6 Tätern, dazu unten mehr. Zusätzlich gibt es einen Geschichtlichen Überblick über die Zeit des NS. Ein Teil der Ausstellung beschreibt das Zustandekommen des Prozesses, hier wird deutlich dass die Bundesdeutsche Justiz nur sehr träge die Verfolgung der NS Täter aufnahm. Ein weiterer Teil der Ausstellung befasst sich mit der Darstellung des Prozesses in der Literatur, den meisten Raum nimmt hier „Die Ermittlung“ von Peter Weiss ein. Aber auch andere Schriftsteller und ihre Auseinandersetzung mit dem Thema werden vorgestellt, darunter Paul Celan, Hannah Arendt, Theodor Adorno, Günther Grass und Martin Walser.
Die Austellung ist umfangreich, 3-4 Stunden kann mensch damit verbringen und das lohnt sich auch. Zumindest mir war es irgendwann zu viel und zu heavy, zur kompletten Austellung kann ich deshalb noch nichts schreiben. Ich möchte aber an dieser Stelle die Darstellung der Auschwitz Überlebenden, die als Zeugen aussagten, kritisieren. Die Portraitierung der 6 dargestellten Täter folgt etwa der Chronologir der Ereignisse, bzw. dem Ablauf des Gerichtsverfahrens. Eingeleitet wird sie jeweils von einem Lebenslauf, in dem besonders die politische und militärische Karriere beschrieben wird, die Zeit in Auschwitz dabei in besonderem Detail, sowie die Zeit zwischen Kriegsende und Prozessbeginn. Ab da folgt die Darstellung in der Regel dem Protokoll des Strafprozesses: Auszüge aus der Anklageschrift, bzw. dem Antrag auf U-Haft, z.T. aus Briefen des jeweiligen Täters aus dieser U-Haft, Auszüge aus den Einlassungen und Vernehmungen des Täters. Das nächste Drittel der Darstellung greift die Beweisaufnahme auf, hier sind Auszüge aus Zeugenaussagen abgedruckt, die meisten von Überlebenden Häftlingen. Im letzten Drittel eines jeden Portraits sind Auszüge aus den Plädoyers von Verteidigung, Staatsanwalt, ggf. Vertretung der Nebenkläger_innen, sowie aus dem letzten Wort des Täters und der Urteilsbegründung nachzulesen.
Dazu laufen in Endlosschleife Tonbandaufnahmen aus dem Prozess, etwa von Aussagen des jeweiligen Täters oder von Zeug_innen. Durch die Aussagen der Täter zieht sich eine Selbstdarstellung als Opfer wie ein roter Faden. Mir ist es am stärksten nahe gegangen, zu hören wie Überlebende über die Lager und über ihre Peiniger berichten.
Dadurch, dass sich die Darstellung so eng am Protokoll des Strafprozesses orientiert werden diese Zeug_innen zu Statist_innen degradiert. Mensch kann sich von einigen der Tätern, der beteiligten Juristen oder der Dolmetscherin ein Bild machen. Die persönlichen Geschichten derer, die in Auschwitz gelitten haben kommen nur so weit vor, wie sie Gegenstand des Verfahrens waren. Die Belastung, unter den Augen der Täter von einst aussagen zu müssen, zum Teil von diesen ausgelacht oder verspottet zu werden, wird nur angedeutet. Damit ist die Ausstellung eine Selbstdarstellung bundesdeutscher Justiz, die Perspektiven Verfolgter werden ausgeblendet.