Formfragen first?

Die, die auf dem Campinski waren werden sich an die Dixi-Debatte erinnern. Für die anderen eine kurze Zusammenfassung. Am Zelt des revolutionären Bündnisses hing ein Transpi mit der Aufschrift (ich glaube, ist fast ein Jahr her): „Stoppt den Krieg im Libanon! Freiheit und Gerechtigkeit für Palästina!“ Verschiedene Personen hatten sich über dieses Transpi beschwert, ein paar mal wurde es auch so umgeschlagen das die Schrift nicht mehr zu lesen war. Bei Deli-plena wurde mehrmals gefordert, dass Transpi abzuhängen. Die Ansage der Vertreter_innen des rev. Bündnis war, dass sie das schon tun würden, wenn eine Mehrheit im Deliplenum das will, diese Mehrheit gab es aber nicht. Eine Zeitlang hing ein Transpi mit der Aufschrift „stoppt den antisemitischen Irrsinn von Hamas und Hisbollah!“ gegenüber. Eines Nachts dann haben irgendwelche Leute das Transpi vom revo-Bündniss abgehangen und in ein Dixiklo geworfen.
Am Abend drauf gab es dann eine grosse Debatte darüber, das Plenum des Grauens (pdg) – 3-400 Leute sassen Nachts in einem grossen Zelt und diskutierten emsig. Worüber genau? keine Ahnung, dass Problem war dass verschiedene Fragestellungen unsystematisch nebeneinander herdiskutiert wurden, und danach weiter so im Raum hingen. Der Ablauf in Kürze: Ein Vetreter des revo-Bündnisses brachte deren Sicht auf die Dinge ein, zusammen mit der Forderung dass sich das Camp dagegen verhält. Ein Redebeitrag in die Richtung, dass es wichtig wäre einen verbindlichen Umgang mit strittigen Inhalten zu haben – „politisch klären, bevor es physisch geklärt wird“ wurde von der Moderation mit der Ansage unterbrochen, dass „wir hier nicht über Formsachen reden.“ Weiter gings mit locker 2 Stunden Ausstausch über verschiedene Befindlichkeiten in Punkto Israel/Palästina/Libanon, und ein bisschen über die Linke. Ich teile mal ganz willkürlich die anwesenden 3-400 Leute in 3 Schubladen auf: Antideutsche Gefühlslinke, die lang und breit über die Geschichte des Nahostkonflikts referieren können, und darüber psalmodieren warum nicht näher bestimmte Äusserungen für sie provokant sind – ohne eine Silbe darüber zu verlieren, was denn an dem konkreten Transpisspruch so verwerflich war. Vertreter_innen dieser Fraktion, da gabs ein paar Leitähne und -hennen, machten deutlich dass sie sich das abhängen von Transpis nicht ausreden lassen. Dann gabs ziemlich viele, die waren total neutral was den Nahostkonflikt angeht, und fanden eh dass sich niemand irgendwas von dem pdg sagen zu lassen hat. Die kleinste erkennbare Schublade bildeten die Leute vom revo-Bündnis, die immer wieder darauf pochten dass eine verbindliche Entscheidung gefällt wird. Nach 2-3 Stunden pdg waren endlich alle ziemlich müde, den meisten wird wohl gedämmert haben dass jetzt irgendeine Entscheidung hermuss, sonst war das ganze pdg für nüscht. In dieser Stimmung ging der Vorschlag (sinngemäß) „einigen wir uns darauf, Transpis hängen zu lassen, wenn wo krasser Scheiss draufsteht wird beim Deli-plenum drüber entschieden“ ohne Veto oder Gegenrede durch.
Es mussten sich also alle stundenlang gegenseitig ermüden, bis eine Entscheidung über die Formsache möglich war – wäre die Reihenfolge „Schlagabtausch der Befindlichkeiten“ (2-3 h) – „Entscheidung über den formalen Ablauf“ (5-10 min) umgedreht worden, was wäre alles möglich gewesen an diesem Abend: Ergebnisorientiert diskutieren! An konkreten Punkten – dieses Transpi, IDF – shirts – darüber reden was auf so einem Camp noch akzeptabel ist, und was nicht! Früher saufen gehen! Aber so nicht.


1 Antwort auf “Formfragen first?”


  1. 1 G8: Was kann bei rumkommen? | bikepunk 089 Pingback am 09. Juli 2007 um 17:10 Uhr
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