Gewalt, Gewalt, Gewalt.

Die Razzien letzte Woche haben, soweit mir bekannt, zu keinen Distanzierungen innerhalb der anti-G8 Mobilisierungen geführt. Diese Solidarität aus dem nicht-linksradikalen Spektrum ist sehr erfreulich. Sie hat aber auch damit zu tun, dass die Bullen den gar zu grossen Vorschlaghammer ausgepackt haben, viel Kritk in der bürgerlichen Presse bezieht sich auf den Gummiparagraphen 129a im allgemeeinen, die dünne Begründung der Durchsuchungen im besonderen und darauf, das diese Repression eher mobilisierend wirken würde. Die Frage, wie legitim oder nicht Militanz sein kann kommt in diesem Diskurs nicht vor, und drängt sich deshalb auch nicht so auf. Ich vermute dass bei vielen, die sehr genau wissen was sie von den Razzien halten, nämlich gar nichts, sich schon die Frage stellt, wie politische Gewalt zu beurteilen ist. Es gibt ausserdem auch die Tendenz, Aktionen die mensch nicht so gut findet, weil es z.B. zu sehr scheppert, sofort irgendwelchen agent provocateurs zuzuordnen. Dahinter steckt für mich auch eine Mischung aus mangelnder Bereitschaft, sich mit anderen politischen Selbstverständnissen auseinanderzusetzen, und mangelnder Transparenz und Vermittlung bei manchen Aktionen. Deshalb ein paar Texte, die für die Diskussion interessant & nützlich sind – ohne dass ich hinter allem was da so vertreten wird stehe:
Eine etwas chaotische Sammlung der Projektwerkstatt – alles auf einer Seite, was das zurechtfinden etwas erschwert. Hier finden sich Zitate von verschiedenen „Gewaltfreien“ und weniger Gewaltfreien. Strukturierter ist der Text Umweltschutz von unten: Die Frage der Gewalt, auch dort. Sehr systematisch werden verschiedene Thesen, die für den Verzicht aud politische Gewalt sprechen auseinander genommen. Lesenswert, aber trocken – für die, die es genau haben wollen, und für die die Anregungen suchen um mit anderen zu diskutieren.
Aus einer völlig anderen Perspektive wird sich dem Thema in „Politische Militanz gestern und heute“ genähert. Hier wurden 2 Menschen interviewt, die sich in der autonomen Linken verorten, ein Antifa und eine die nach Selbstbeschreibung ihre Polit-Sozailisation in einer sozialisitschen Jugendgruppe hatte. Die Interviewform, und vor allem dass die beiden ihre heutige Einstellung in einen Zusammenhang zu ihrem Werdegang stellen macht „die Militanten“ etwas plastischer. Für die, die etwas weniger trockenes wollen, und für die die wissen wollen was in den vermeintlichen agent provocateurs so vor sich geht.
Oft werden Aktivist_innen, die auf „Gewaltfreiheit“ setzen, als naive Hippies angesehn und ausgelacht. Ein möglicher Begriff von Gewaltfreiheit:

“Ziviler Ungehorsam – das persönliche, demonstrative und öffentliche Übertreten und Missachten von Gesetzen, die die Gentechnik durchsetzen sollen – stellt für uns die adäquate Antwort auf die massive Bedrohung dar, der wir alle ausgesetzt werden. (…) Die Feldbefreiung macht sichtbar, dass die Gentechnik keine Akzeptanz hat und geächtet wird, ähnlich der Ächtung der Atombombe. (…) Wir tun dies auf gewaltfreie Weise und stehen für unser Handeln ein. Bei unseren Aktionen wenden wir weder Gewalt gegen Menschen an, noch tragen wir Geräte mit. Wir wollen niemanden gefährden und zeigen, dass von uns keine Bedrohung ausgeht. Unsere Mittel sind einzig unsere Körper und der Geist der Ent- und Geschlossenheit.”

Aus dem Text „Wider die so genannte Gewaltfrage“ von nolager Bremen, über solidarische Pressearbeit.


5 Antworten auf “Gewalt, Gewalt, Gewalt.”


  1. 1 Administrator 27. Mai 2007 um 18:18 Uhr

    Was ich vom Darmstädter Destruktivismus halten soll, weiss ich noch nicht so recht – der Dext „Gewalt und Meinungsfreiheit“ von denen ist jedenfalls ganz gut:
    http://2d.blogsport.de/2007/05/27/gewalt-und-meinungsfreiheit/

  2. 2 Administrator 10. Juni 2007 um 13:20 Uhr

    Auch lesenswert ist der Text „Militant Errors“ von 3 aus Berlin, über die Aktionen gegen den Gipfel in Thessaloniki:
    http://www.indymedia.org/en/2004/10/862896.shtml
    Eine kritische Rückschau auf einiges, was Scheisse lief, aus einer militanten Perspektive.

  3. 3 Administrator 18. Juni 2007 um 10:28 Uhr

    Eine 1-A Artikelsammlung rund um den black bloc bietet der black blog – schaut rein!:
    http://black.blogsport.de/

  1. 1 Das mit der Distanzierung … | bikepunk 089 Pingback am 26. Mai 2007 um 12:00 Uhr
  2. 2 Wo die Liebe hinfällt « bikepunk 089 Pingback am 19. Dezember 2008 um 17:22 Uhr
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