Veranstaltungstip – Karl Reitter in München.

Die schon angekündigte Veranstaltung mit Karl Reitter von der Grundrisse am Samstag dürfte interessant werden. Vom Flyer abgetippt:

Wenn wir über das Proletariat sprechen, sprechen wir über uns. Wenn wir über Klassenkampf reden, so sprechen wir über unseren alltäglichen Kampfum Würde, über unsere Opposition gegen die Zumutungen der Profitproduktion.
In dieser Veranstaltung wird versucht, anknüpfend an die Schriften von Marx, ein Verständnis von Klassen und Klassenkampf zu entwickeln, das den Aspekt der emanzipatorischen Überwindung der Verhältnisse ins Zentrum stellt.
Es soll gezeigt werden, dass Klasse keimeswegs mit bestimmten soziologischen Schichten, etwa der Industriearbeiterschaft, und Klassenkampf mit Streben nach mehr Lohn oder besseren Arbeitsbedingungen gleichgesetzt werden kann. Klassenkampf ist mehr und auch anderes: es ist die Opposition gegen das zur Klasse gemacht werden. Und diese Oppostion findet an vielen Orten und in vielen Formen statt.

Ein guter Text von Reitter ist seine Kritik an Heinrich. Vor allem aber den Text „Wo wir stehen“ will ich allen ans Herz legen. Hier sind ein paar Überlegungen zu „Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen“ zusammengestellt. Wer sich nicht den ganzen Holloway antun will, kann diesen Text auch als knappe Zusammenfassung lesen.
Interessant wird die Veranstaltung für mich aus 2 Gründen. Reitter schein mir theoretsich recht nah an Holloway zu sein, zumindest was den Begriff von Klassenkampf betrifft. Was Holloway dazu geschrieben hat war für mich erstmal sehr interessant, das nochmal anders und ausgeführt zu hören wird sicher gut.
Der zweite Grund hat mit den, in München vielleicht etwas komisch bis garnicht ablaufenden, Diskussionen zu tun – ein Teil der aktiven Leute hält scheinbar durchaus mit Klauen und Zähnen an einem old-school Klassenbegriff fest, andere schwimmen im Trend mit und sehen das Kapitalverhältnis als restlos abstrakt und subjektlos. Da tut eine fitte Veranstaltung zum Thema not.

Zeit und Ort:
Samstag, 28.04 20:00 Uhr
Kulturladen Westend, Ligsalzstr. 44, U4/U5 Schwanthalerhöhe.


2 Antworten auf “Veranstaltungstip – Karl Reitter in München.”


  1. 1 David 27. April 2007 um 19:36 Uhr

    „Kritik an Heinrich“?

    In dem angegebenen, verlinkten Text von Reitter steht u.a. folgendes:

    „Mit „Kritik der politischen Ökonomie“ ist Michael Heinrich wirklich sehr viel gelungen. Das Buch ist eine spannende, klar durchdachte und höchst niveauvolle Einführung in diese komplexe Materie, die ich allen ausdrücklich empfehlen kann. […]
    Um es also nochmals zu betonen: Nach meiner Auffassung steht kein einziger falscher Satz, kein unrichtiges Wort bezüglich der Marxschen Texte in diesem Buch. Ich bin daher nicht sicher, ob ich meine Ausführungen mehr als Ergänzung denn als Kritik bezeichnen soll.“

    Naja. Wenn der Text nur eine „Ergänzung“ zu Heinrichs Buch sein soll, warum dann nicht erstmal Heinrich lesen?
    Kann auch ich sehr empfehlen…..

    cheers, D.

  2. 2 Administrator 29. April 2007 um 17:05 Uhr

    @David – klar, Karl ergänzt was an Heinrichs Text. Nur steckt darin auch eine Kritik, die ich für wesentlich halte, deshalb habe ich den Text als „Kritik an Heinrich“ beschrieben. Aber den Heinrich fand ich schon lesenswert, kann ich auch empfeheln.

    Zur Veranstaltung itself, ein paar Eindrücke:
    Karl hat eine irgendwie nette, aber auch etwas chaotische und assoziative Art vorzutragen, und ist sich exessives name-dropping nicht zu schade. Manchmal war es etwas schwierig, zu folgen wenn mensch sich mit Marx nicht so gut auskannte.
    Ein paar inhaltliche Punkte die ich mir gemerkt hatte:
    Erstmal war es doch ein Karl Reitter Vortrag, und kein Holloway Vortrag. Nicht wirklich überraschend, aber irgendwie war ich auf anderes eingestellt.
    Karl machte 2 Momente des Klassenkampf auf – einmal der Kampf um höhere Löhne und dergleichen, und einmal der Kampf gegen das Arbeiter_in sein – das Beispiel was er dafür nannte war, wieviele Leute versuchen an Unis unter zu kommen um erstmal nicht arbeiten zu müssen. In diesem Zusammenhang bewarb er auch ein bisschen ein Bedingungsloses Grundeinkommen.

    Unterm Strich war der Vortrag für mich ein bisschen zu Marxologisch, und zu wenig an politischen Fragen ausgerichtet. Aber durchaus hörenswert.

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