Indymedia mal wieder

Über die Redaktionspolitik von Indymedia muss ich immer wieder den Kopf schütteln. In dem Indymedia-Artikel „Mossad und Adolf Eichmann“ ist viel von einer Zusammenarbeit zwischen Nazi-grössen und zionistischen Organisationen die Rede, und davon das Israel lange kein Interesse daran hatte Adolgf Eichmann fest zu nehmen. Ausserdem wird ein, mir völlig schleierhafter, Zusammenhang zwischen Israels Plänen eine Atombombe zu bauen und seiner Verhaftung suggeriert. Interessant daran ist, dass mal wieder Kommentare dazu, die durchaus eine „Inhaltliche Ergänzung“ darstellen, in den Graubereich moderiert wurden. Mit der Geschichte Israels kenn ich mich praktisch nicht aus, so wahnsiinig interessieren tut sie mich auch nicht. Das herumreiten auf den Nazi-Zionisten connections und die behauptete Verbindung zwischen dem Eichmann-Prozess und Israels Atomprogramm stimmten dann aber doch misstrauisch. Die behaupteten Fakten kann ich nicht beurteilen, insofern bin ich auf halbwegs erhellende Kommentare angewiesen. Ich lese seit Jahren regelmässig indymedia, also weiss ich wie die pseudo-neutralen Indy-Redakteur_innen im grossen und ganzen zu bestimmten Themen stehen – das also kritische oder ergänzende Kommentare wegmoderiert werden war hier keine Überaschung. Aber wie ist es mit anderen Themen, die auch polarisieren? Da nur die formalen, nicht die inhaltlichen Kriterien transparent gemacht werden, ist es im einzelnen schwer zu durchschauen bei welchen Themen sich ein Blick in den Grauberiech lohnen könnte. Die Frage bleibt für mich, wie das open-publishing von indymedia mit transparenten, berechnbaren Redaktionen kombiniert werden kann.


14 Antworten auf “Indymedia mal wieder”


  1. 1 indyaner 20. April 2007 um 16:59 Uhr

    indem mehr leute mods werden und die scheißarbeit nicht nur an so wenigen hängen bleibt, die sich dann auch noch immer derbste beschimpfungen von so schnöseln wie dir anhören müssen, dass sie bei den letzten 150 kommentaren, die reinkamen, 20 fehl-gemoddet haben zum beispiel?
    aber lieber selbst nix tun und schön rummeckern – typisch deutsch.
    ich wette, du hast bis heute nicht mal den versuch gemacht, mit einem moderationsteam kontakt aufzunehmen und mal in nem persönlichen gespräch drüber zu reden, was alles für scheiße wegzensiert werden muss. alleine der titel des artikels zeigt jeder erfahrenen moderatorin, dass das arbeit bedeutet – weil lauter spinner ihr halb- oder drittelwissen meinen preisgeben zu müssen.
    die leidtragenden sind die mods, die jeden der scheiß kommentare durchlesen und bei bedarf verschieben oder zensieren müssen.
    für irgendein komisches thema, was eigentlich garkeine nachricht ist, aber laut mod-kriterien nicht einfach zensiert werden darf.
    dass dabei mal mehr sachen in den graubereich verschoben werden als eigentlich nötig- so what? gibt schlimmeres… aber mit diskussionen hört ihr ja trotzdem nicht auf – auch wenn euch dreitausendmal gesagt wird, dass das auf indymedia NICHT erwünscht ist.
    scheiß service-mentalität.
    aber ich seh schon das geheule, wenn indymedia dicht macht weil die mods nicht mehr wollen…

  2. 2 Kosher 20. April 2007 um 17:30 Uhr

    Die Fakten zu der Zusammenarbeit der Nazis mit rechtsgerichteten jüdischen Organisationen und der Jewish Agency (Havaara) in den 30ern stimmt zumindest. Siehe Tom Segev: „Die Siebte Million“ oder Lenni Brenner: „51 Documents“ oder „Zionism in the Age of Dictators“.

  3. 3 Notwendig 20. April 2007 um 17:45 Uhr

    Die eine Ergänzung war wirklich eine inhaltliche.

    Aber was die Entscheidungen der ModeratorInnen angeht, ist es keineswegs so, dass es da eine einheitliche inhaltliche Richtung gibt. Es gibt auch oft intern Diskussionen über Moderationsentscheidungen.

  4. 4 Arakonda 21. April 2007 um 9:37 Uhr

    Ist es nicht vollkommen egal, ob die Moderation transparent ist? Ob sie jetzt groß öffentlich ankündigen:
    „Wir löschen jeden Beitrag, der im Verdacht steht irgendetwas mit antideutsch, Kommunismus oder Intelligenz zu tun zu haben.“ oder einfach sagen: „wir zenzieren nur nach den und den Kriterien.“ und dann doch nach eigenen politischen (Wahn-)Vorstellungen zenzieren ist doch Jacke wie Hose.
    Das Problem ist doch nicht, dass die Moderationskriterien nicht offengelegt sind, sondern dass Indymedia nunmal in der Hand von krudesten linken Deppen ist. Was nicht zu kritisieren ist, es wäre an jedem eine viel coolere Seite ins Netz zu stellen. Denn Indymedia ist ja nicht nur inhaltlich grottig, sondern auch technisch ziemlich einfallslos.

  5. 5 Administrator 21. April 2007 um 12:49 Uhr

    @indyaner:
    deine antwort („mehr mods“) geht an der frage vorbei – du kannst einfach nicht die frage, wie du einen artikel oder kommentar bewertest nur anhand dieser moderationskriterien beantworten, deine inhaltliche nähe oder distanz, deine aufgeregteit über das thema spielt immer mit rein. also warum nicht versuche, damit offen und transparent umzugehen.
    mir geht es nicht darum, die mods anzupissen, sondern auf ein paar schwachpunkte im konzept von indymedia hinzuweisen. das projekt war grossartig und richtungsweisend, aber seit der entstehung von indymedia wurden viele erfahrungen gemacht, die diskutiert und verwertet werden müssen. das versuche ich hier in meinem blog (siehe auch hier: http://bkpnk089.blogsport.de/2007/03/03/indymedia-20/ ).
    eine dieser erfahrungen ist wohl die, dass diese ledigen diskussionen in der kommentarspalt einfach geführt werden, ob ihr wollt oder nicht. die frage ist doch, wie damit umgehen? und diese frage richtet sich nicht nur an dich, oder andere indyaner_innen, sondern an alle die interesse an einem emanzipatorischem, offenem medienprojekt haben.

    @kosher
    wenn ich tiefer in die materie einstiegen wollen würde, dann täte mich das vielleicht interessieren. aber stimmt es dich nicht misstrauisch wenn du einen text liest in dem in dieser art und weise tatsachen, halbwahrheiten und unbelegte unterstellungen zusammen mit gewissen auslassungen präsentiert werden?
    ich krieg dann das gefühl, jemand will mir eine bestimmte meinung aufschwatzen, und da hab ich keinen bock drauf.

    @arakonda
    ich glaub auf dich trifft der kommentar von indyaner viel eher zu.

  6. 6 Arakonda 21. April 2007 um 18:44 Uhr

    >> @arakonda
    >> ich glaub auf dich trifft der kommentar von indyaner viel eher zu.

    Ne, kein Stück, denn ich habe überhaupt keinen Anspruch an Indymedia. Ich verlange ja auch nicht, dass meine Beiträge in einem CDU Forum erhalten bleiben. Indymedia definiert sich selber als nicht links, warum sollte ich dann einen Anspruch daran haben? Deshalb würde ich mich auch nie mit irgendwelchen Mods auseinandersetzen. Diskutierst du denn mit irgendwelchen Falken oder ATTACies? Ich hab mir das vor Jahren abgewöhnt.
    Ich code dann lieber einen Indymedia-Ersatz, dann müssen sie nicht mehr so rumheulen, dass alle nur auf ihnen rumhacken und die linxradikale Szene hat eine coole Seite, die eine ganz gute Unterstützung in vielerlei Hinsicht ist. Bei ihnen bleiben dann die Honks und für die fitten Leute gibt es dann ne nette Seite.

  7. 7 Menne 21. April 2007 um 19:48 Uhr

    Ja sowas fieses aber auch von diesen Nazimods! Da schieben die doch tatsächlich einen gut recherchierten Artikel in den Newswire und löschen deine „Gabi ist eine Fotze“-Kommentare. Sowas Nazimässiges von den Mods! Das Schlimme an diesem Artikel ist ja vor allem, daß da Fakten drinne stehen, die einemHardcore-Neocon wie dir nicht passen. Das ist doch grund genug für Zensur. Jaja, wenn du das Sagen hättest dann würde mal so richtig ordentlich aufgeräumt werden. Wa?

    PS: wie wäre es mit einem Indymedia-Boykott und ihr macht euer eigenes AntiD-Media mit nur von der Partei zertifizierten und zugeleassenen Meinungen?

  8. 8 Administrator 22. April 2007 um 12:27 Uhr

    @arakonda
    Deine einschätzung von vorher („krudeste linke deppen“) teile ich nicht. darüber, wie ein vernünftiges, linkes open-publishing portal aussehen könnte habe ich schonmal was geschrieben, deine meinung dazu würde mich interessieren.
    http://bkpnk089.blogsport.de/2007/03/03/indymedia-20/

    @menne
    Mit lesen hast dus nicht so, was? meine kritik bezog sich darauf, dass eine ergänzung die das kriterium „inhaltlich“ erfüllt als diskussionsbeitrag behandelt, und in den graubereich mderiert wurde. von gelöschten kommentaren weiss ich nix, solle tatsächlich ein kommentar des inhalts „gabi ist eine fotze“ gelöscht worden sein, ist das gut so.
    und lies mal mehr von dem, was ich hier so schreibe bevor du behauptest ich sei antideutscher neocon.
    http://bkpnk089.blogsport.de/tag/antideutsch

    so nen grundsätzliches problem von dir, oder indyaner, ist das ziemlich schnell die beleidigte leberwurst spielt. da ist es natürlich ein bisschen schwierig, sachlich zu diskutieren. meine kritik war inhaltlich, ich glaube ich habe auch noch mal klargestellt
    worum es mir neicht geht (indymods anpissen) insofern finde ich deine aufgeregtheit absonderlich.

  9. 9 Arakonda 22. April 2007 um 13:19 Uhr

    @bikepunk ich soll mich wohl eher von menno angesprochen fühlen, was ich mal ignoriere.

    PS. Du kriegst deinen Kommentar zu Indy2.0

  10. 10 Menne 22. April 2007 um 21:41 Uhr

    Soso. „beleidigte Leberwurst“. Das musst du grad schreiben. Und um sachlich zu diskutieren, solltest du vielleicht eine Diskussion mal ganz ohne verschwörungstheorien und Vorwürfen eröffnen. Vielleicht einfach mal mit einer Frage: „weiß jemand, was da los ist?“ oder so.

  11. 11 Administrator 23. April 2007 um 7:52 Uhr

    Zur klarstellung: der Kommentar von „der kleine antideutsche“ war zu dem Zeitpunkt, als ich den artikel gelesen hatte, in den graubereich moderiert. Das war ein Tag nachdem der besagt kommentar gposted worden war. Er ist mittlerweile wieder komplett sichtbar, zusammen mit einem anderem kommentar der sich auf ihen bezieht.

    @menne
    Wenn du was anderes machst als trollen, geh ich wieder auf dich ein. Deal?

  12. 12 indy-aner 25. April 2007 um 1:12 Uhr

    bikepunk,
    die frage nach der offenlegung der inhaltlichen modkriterien wurde dir glaube ich schon beantwortet, doch scheinst du sie nicht verstanden zu haben – ebenso wie das konzept von indymedia.
    indymedia ist nicht eine zeitung. indymedia hat keine redaktion.
    das sind fakten, die du zunächst akzeptieren musst, auch wenn du sie anzweifelst wirst du vielleicht später den wichtigen unterschied verstehen.
    denn indymedia ist auch keine gruppe.
    indymedia ist das sprachrohr, ist eine plattform, die bewegungsübergreifend aktivistinnen der straße die möglichkeit gibt ihre nachrichten zu posten. sozusagen die direkteste zeitung der bewegungen. doch dabei ist sie strömungsübergreifend.
    aus diesem ansatz heraus nennt sich indymedia auch nicht explizit links, da links ein begriff ist, der von manchen strömungen abgelehnt wird. aus welchen gründen auch immer.
    genau aus denselben gründen darf indymedia nicht inhaltlich zensieren/moderieren, ausser es wird gegen strömungsübergreifenden konsens verstoßen (sexismus, rassismus etc.).
    um selbstgeschriebenen artikeln und selbstproduzierten medien mehr raum zu geben wird zusätzlich noch unterteilt in startseite und open-posting, da diese sonst im rauschen untergehn würden.

    die unterteilung in offtopic und ergänzungen wurde gemacht um auch hier dem rauschen vorzubeugen – die ergänzungsfunktion wurde „missbraucht“ für kommentare, für den text wichtige ergänzungen gingen in nicht nachvollziehbaren diskussionssträngen unter.
    diese unterteilung ist scheinbar leider auch nötig und stellt den niedrigst-möglichen eingriff dar um die ergänzungsfunktion zu retten.
    deine einstellung „ihr müsst damit leben, dass diskussionen halt
    passieren“ mag zwar aus pragmatischen gründen richtig sein, jedoch
    wie „wir“ damit umgehen ist ja oben beschrieben – solange nicht absolut gegen strömungsübergreifenden konsens oder kruden spam (beleidigungen und son kram) gepostet wird, es aber keine ergänzung zu dem artikel darstellt geht es off-topic. dass diese unterscheidung nicht gerade leicht ist ist wahr – und das hier die von dir beschriebenen gefahren aufgrund der kommentarflut besonders hoch sind ist auch bekannt. jedoch – ein ruf nach „moddet mal besser“ zeugt von einer konsumentenhaltung der indymedia nicht nachkommen wird und verhallt unbeantwortet, „offenlegung der inhaltlichen kriterien“ ist nicht möglich, wenn es diese nicht gibt (und wenn, dann nicht einheitlich). dass mal fehler passieren und was falsch eingeordnet wird mögest du bitte verzeihen – oder wenn es dich wirklich so sehr stört, bring dich mehr ein.

    die moderation insgesammt ist, wie oben schonmal beschrieben, in gruppen aufgeteilt, die sich gegenseitig kontrollieren um missbräuchen und fehlern vorzubeugen.
    jedoch – gerade hier hapert es. anstelle indymedia als teil der eigenen politischen arbeit zu betrachten und sich dort einzubringen reduziert sich die mitarbeit oft auf ein alleiniges konsumieren – genau das, was damals von den bewegungen kritisiert wurde und wogegen indymedia erschaffen wurde.

    und damit meine ich nicht nur die mitarbeit an der homepage. allgemein bleibt festzustellen, dass es regelrecht eine fixierung auf das internet gibt sobald das thema indymedia erwähnt wird. doch indymedia ist nicht nur die seite im internet und die modgruppen die es betreuen, auch nicht zusammen mit denen, die die artikel produzieren. indymedia ist mehr als das – es ist ein netzwerk für freie medien.
    viel zu selten werden indymedia-filme auch ins reale leben gebracht, gerade mal zwei „indykinos“ gibt es bisher.
    genauso die printausgaben – kaum noch welche werden hergestellt, gedruckt oder verteilt.
    doch was bringt es, wenn die nachrichten nur auf der homepage stehen? sind die nachrichten nur für die eigene szene und die regelmässigen indy-leser gedacht? oder sollten sie nicht raus unter die leute gebracht werden? das ist für mich wichtiger als eine umstrukturierung der homepage – weg von der fixierung aufs internet, für mehr indyprints, indykinos, indyradiosendungen, guerrilla-screening und co!

    ps: zu deinem indy2.0 vorschlag:
    über anonymität und ihre gründe hast du noch nicht viel nachgedacht oder? ebensowenig datamining und netzwerkanalysen? wär nämlich ganz schön krass was der staat und co an infos durch dein system bekäme – wenn sich die leute denn darauf einließen. nichts für ungut.

  13. 13 Administrator 25. April 2007 um 17:27 Uhr

    @indy-aner
    Dein kommentar war im spam-filter hängengeblieben, deshalb ist er erst jetzt freimoderiert. Auf die Schnelle geh ich nur auf 3 Punkte ein:

    “‘offenlegung der inhaltlichen kriterien‘ ist nicht möglich, wenn es diese nicht gibt (und wenn, dann nicht einheitlich)“
    Beispiele wie das erwähnte zeigen doch eben, dass immer wieder mal mods nach inhaltlichen Kriterien moderieren. Was mich nicht wundert, wäre ich in der Position könnte ich oft wahrscheinlich garnicht anders. Auch die Trennung in „off topic“ und Ergänzung ist schwierig, letztlich kommst du an einer eigenen inhaltlichen positionierung nicht immer vorbei. Daraus folgere ich, dass eine „Flucht nach vorn“ gut wäre – siehe indy 2.0, die technischen möglichkeiten gibts mittlerweile eher.
    Warum ich genau glaube, dass diese trennung so schwierig ist, und nicht immer sinn macht, schreibe ich nochmal einen eigenen eintrag in diesem blog (und deine meinung dazu würde mich dann interessieren).

    Du sagst, mit dem material rauszugehen ist ein wichtiger punkt, wichtiger als eine umstrukturierung der home page. Teile ich nicht 100%, aber ich sehe natürlich die Bedeutung. Mal als Gedankenspielerei, wie viel mehr könnte indymedia ein guter „Steinbruch“ für gute indyprint ausgaben sein, wenn du z.B. ein wiki-system als werkzeug hättest um zusammen mit anderen an artikeln oder übersetzungen zu feilen?

    Zum themenkomplex anonymität – guter und wichtiger punkt. Ich behaupte nirgends, dass meine überlegungen ausgereift sind. Um mal zurückzusticheln, du wirst mir doch zustimmen dass die art wie de.indymedia ssl verwendet komplett zweckfrei ist?

  1. 1 ismen | tee Pingback am 27. April 2007 um 1:18 Uhr
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