Archiv für März 2007

tp über den Bleiberechtsaktionstag

Einen guten Artikel über den Aktionstag „100 Tage und kein Bleiberecht“ gibt es hier. Der Artikel fasst zusammen, worum es bei der Auseinandersetzung um ein ganzes Bleiberecht geht – lesenswert für alle, die in der Materie noch nicht so drinstecken. Neues rund ums Bleiberecht gibt es immer beim Bleiberechtsbüro. Ich empfehle den feed.

Militaristische Männerbündelei bei den Cops

Bei der Argumentprüfstelle ist eine Diskussion über den Zusammenhang von Patriachat und Krieg ausgebrochen. Die Argumentprüfstelle findet scheinbar nicht, dass männliche Sozialisation etwas mit der Geeignetkeit fürs Militär zu tun hat. Dazu ist mir wieder eine alte (letzter Herbst) Geschichte eingefallen, über Mobbing beim USK, die dazu passt. Hier ein paar Zitate aus dem SZ Artikel:

Manche Polizisten der Sondereinheit Unterstützungskommando (USK) schikanieren nicht-konforme Kollegen; gehen müssen dann die Opfer, nicht die Täter. Interne Ermittlungen laufen, dabei hält sich im Polizeiapparat die Empörung in Grenzen. Es wurde als „Spaß“ angesehen, der diejenigen Kollegen treffe, die irgendwie aus der Reihe tanzten

Soweit ganz normal – wo die Displinierung von oben nicht genug greift, machen sich andere einen Spass darus, für Homogenität und Zusammenhalt zu sorgen. Das ganze hat auch fast was von Training:

Ein Beamter wurde nach einem Einsatz mit einer 15 Kilogramm schweren Türramme auf die Straße gesetzt und musste damit eineinhalb Kilometer weit zu Fuß laufen. Während der Fahrt im Einsatzbus prühten sich die Polizisten gegenseitig Pfefferspray ins Gesicht – als Wettbewerb, wer es länger aushält.

Ich finde die Vorstellung, dass diese Bullen sich sowas gegenseitig antun sehr lustig, dass ganze ist für ihre Arbeit aber durchaus funktional: Wer Gewalt anwendet, muss brutalisiert sein – und da kann eine Ladung Pfeffer ins Gesicht nicht schaden. Und wer es schon im Bus länger aushält, sich malträtieren zu lassen, ist wahrscheinlich auch auf der Strasse einigermassen Leidensfähig, zumal bei Demos nur selten Pfefferspray gegen Bullen eingesetzt wird, und die da zurückhauen dürfen.
Weshalb ich aber im Kontext der Diskussion bei der Argumentprüfstelle daraufgekommen bin, ist folgende Stelle, hier geht mir auch der Humor flöten:

Einen USK-Kollegen fesselten die Männer mit Kabelbindern an ein Treppengeländer, sie zogen ihn aus und malten ihm unter dem Gejohle der Gruppe eine weibliche Brust auf den Oberkörper.

Also, diese Bullen machen jemanden, den sie erniedrigen wollen, zur Frau. Das USK wird als Männerbund gedacht, trotz der paar (in München: 2 oder 3, glaube ich) Bulletten die da ihren Dienst tun. Wer „schwächelt“ passt da nicht mehr hinein, dieser Ausschluss wird so vollzogen.

Und by the way: „Mobbing, Folter ja hurra, das ist unser USK!“

tp über „Politisch inkorrekt“

Ich bin auf 2 tp Artikel über PI gestossen, einmal darüber was die so schreiben, und als Reaktion auf deren Antwort. Beide sind lesenswert, drauf gekommen bin ich via diesem blog.

Bislang gigng mir der Masochismus ab, mich ewig durch rechtes Geschwurbel a`la PI durchzulesen. Sollte ich das jemals tun, wären für mich interessante Fragen: Wie stehen die (Autor_innen, Leser_innen) zur hiesigen Geschichte, und dem Umgang damit? Beispielhaft seien hier Fragen wie Zwangsarbeiter_innen entschädigung, Reichsbahnausstellung oder die Ursprünge der Bundeswehr und der BRD-Justiz, aber auch die allfälligen Opfermythen. Auf welche Art wütet hier der bornierte deutsche Hausverstand, wie stark sind neben blanken Rassismus auch Hass auf Linke, Antifeminismus oder Homophobie, verschwörungstheoretischer Blödsinn und aggressives rumdeutschen vertreten.
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Edit, hatte ich erst vergessen.
Die obigen Fragen interessieren mich deshalb, weil hier ein bisschen Empirie dazu betrieben werden kann inwieweit sich z.B. deutscher Patriotismus, Antiamerikanismus, Antisemitsmus, Israelsolidarität, Opfermythengetue, Rassismus, glauben an einen Clash of Cultures und so fort gegenseitig bedingen oder widersprechen. Das natürlich nur, wenn PI halbwegs kohärent ist.

Auf nach Dorfen!

Habe ich gerade irgendwo gefunden, lest selbst:

Der Dorfener Stadtrat hat am Mittwoch mit großer Mehrheit beschlossen, ein für Samstag im Jugendzentrum geplantes Konzert aus „Sicherheitsgründen“ zu verbieten. Damit soll nach einer in Polizeistaaten üblichen Methode eine politisch missliebige Veranstaltung unmöglich gemacht werden.

Außerdem kann man davon ausgehen, dass das Verbot wohl auch zur Bestrafung gedacht ist.

Am Freitag, dem 2. März, hatten rund 60 Jugendliche von ihrem Verfassungsrecht Gebrauch gemacht und spontan auf der Angermeier-Kreuzung gegen das zynische und von der Polizei in Bürgerkriegs-Manier durchgeprügelte Plattmachen des Kopenhagener Jugendhauses Ungdomshuset demonstriert.

Dieser friedliche Protest hat bei Polizei und Stadt offenbar zu den bekannten Reflexen geführt. Bereits wenige Stunden später erschien die Polizei mit großem Aufgebot zu einer „Jugendschutz-Kontrolle“ im Jugendzentrum. Im Verlauf dieser Aktion versuchten die BeamtInnen erfolglos, unser Hausrecht zu beugen. Wie immer und wie auch in Kopenhagen war es dabei die Staatsmacht, die Gewalt in die Auseinandersetzung eingeführt hat. Wenige Tage später ist seitens der Stadt das Verbot des Konzerts erfolgt.

Für Samstag, den 10. März war und ist im Jugendzentrum ein Solidaritätskonzert mit der Mühldorfer Antifa geplant. Die Dorfener Stadtführung schätzt die „Antifa“ nach Rücksprache mit der Polizei als „linksextremistische und jederzeit gewaltbereite“ Splittergruppierung ein. Durch ein Anreisen von VertreterInnen dieses Spektrums nach Dorfen entsteht der Begründung zufolge eine Gefahr für Leib und Leben der hiesigen Bevölkerung. In Wahrheit hat sich in Mühldorf wie anderswo auch eine Antifa gegründet, um gegen die Gefahren für Leib und Leben vorzugehen, denen zum Beispiel ausländische oder jüdische Menschen in Deutschland ausgesetzt sind. Wenn Bayern nämlich in irgendeiner Disziplin in Deutschland die Nummer eins ist, dann in Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit.

Extremistisch führt sich ausschließlich die Dorfener Stadtführung auf, die mit einer offen politischen Begründung und dem Hinweis auf drittklassige Ordnungswidrigkeiten einen neuartigen Zensurakt durchführt. Vor wenigen Tagen hatte man sich noch öffentlich über die schlechte Behandlung durch eine Fernsehsendung über Jugendgewalt in Dorfen ausgeweint und positiven Maßnahmen betont, wobei auch das Jugendzentrum aufgeführt wurde. Dass eine solche Stellungnahme und das jetzige Verbot von den gleichen Verantwortlichen innerhalb weniger Tage vom Stapel gelassen werden können, zeugt von geistig und moralisch ziemlich verkrachten Strukturen.

Wir haben gegen das Verbot Rechtsmittel eingelegt und wollen eine Eilentscheidung für seine Durchführung erreichen. So oder so rufen wir gegen das Verhalten von Stadtführung und Polizei zu einer

Kundgebung und Demonstration
mit Redebeiträgen und Musikbeiträgen

am Samstag, dem 10. März um 16 Uhr Auftaktkundgebung am Jugendzentrum Dorfen. Dannach Demo zum Rathausplatz.

Anschließend Dauermahnwache am Rathauplatz

Ausdrücklich laden wir zu dieser Demonstration auch die Jugendlichen ein, die – aus welchen Gründen auch immer – mit dem JZ ansonsten nichts zu tun haben wollen. Die von der Stadt veranlassten Maßnahmen betreffen auch Euch. Sie sind nur ein Auswuchs einer Politik, die sich sämtlichen Ansprüchen junger Menschen gegenüber – an Freizeit, sozialer Perspektive oder Natur – gleichgültig verhält. Wenn dies dann zu Problemen führt, wird die Schuld unverschämt den Betroffenen zugeschoben.

Aus dem Brief der Stadt:
Die „Antifa“ ist eine laut Verfassungsschutz eindeutig linksextremistische und jederzeit gewaltbereite politische Splittergruppe. Durche die oben genannten Zusätze ist davon auszugehen, dass „Antifa-Mitglieder“ aus Mühldorf/Altötting für diese Veranstaltung mit dem Vermerk „antifaschistische Aktion“ geworben. Nach Rücksprache mit der Polizeidirektion Erding und der Polizeiinspektion Dorfen wird dringend empfohlen, die Veranstaltung aus Gründen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu untersagen

Aus dem Dorfner Anzeiger vom 9.3.
Kommentar Renner: „Freiräume ja – aber weder für Faschisten noch für Autonome“

www.marktplatz-oberbayern.de da gibt es nen Link auf Dorfen

treffpunkt für münchner is um 14:45 große anzeigetafel am HBF

Auch darum gehts beim Klassenkampf

Mir ist irgendwann ein Firmenauto eines Cafes über den Weg gefahren, mit der Aufschrift:

Die grösste Morgenlatte der Stadt

Bezogen auf eine Latte Macchiato. Einmal ist der Spruch ätzend und bescheuert – Hö hö! Morgenlatte! Hö hö! –, ausserdem sollte niemand von irgendwelchen Chefs dazu gezwungen werden, mit sowas auf dem Auto herumzufahren.

Kundgebung am Samstag

Kommenden Samstag ist auch in München was los, zwengs 8. März – ab 13:30 ist eine Kundgebung am Marienplatz, thematische Schwerpunkte sind unter anderem Arbeitssituation von Frauen, sowie migrationspolitische Fragen.

Globale Landwirtschaft: food for thought.

Ausgelöst durch den Jungle Artikel gab es ja heisse Diskussionen um die Themen und Inhalte der Ag „globale Landwirtschaft“ in der G8 Mobilisierung. Dabei ging es meistens relativ abstrakt um die Frage, was den von Subsistenzwirtschaft zu halten sei. Nun, die ersten Stops der Infotour zu globaler Landwirtschaft waren schon, damit gibt es auch mehr substanzielles um sich drüber zu streiten.

Ein Indymediaartikel der den Tourstop in München beschreibt:
http://de.indymedia.org/2007/03/170178.shtml
Hier wird etwas klarer, was genau bei der Tour vermittelt wurde.

Telepolis über des internationale Forum zu Ernährungssouveränität in Mali:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24768/1.html
Hier werden die Inhalte klarer, die u.a. von la via campesina vertreten werden, also von den Organisationen mit denen sich mensch vielleicht solidarisiert. Zum Beispiel ist hier die Abschlöusserklärung des Forums dokumentiert.

Und via campesina hat eine eigene Seite:
viacampesina.org

Ich schreib die Tage vielleicht mal was längeres dazu, denen die es interessiert erstmal viel Spass beim lesen.

Ungdomshuset Ticker

Einen deutschsprachigen Ticker über das was aktuell so los ist gibt es auf diesem blog: http://ungeren.wordpress.com/

Things are queer

Vor Jahren habe ich in der Kult bei einem Konzert das zine „things are queer“ erstanden – ich fands super, und ich hätte gerne eines als Kopiervorlage um es weiter unter Leute zu bringen. Blöderweise hab ichs verschmissen, und damit auch die Kontakt email vom Autor. Wer kann helfen?

Gut fand ich, und deshalb will ich genau dieses Zine, dass es auf einem sprachlich okayem Niveau geschrieben war, also nicht nur was für Unilinke – das gilt auch für die Gestaltung. Und dass Queerness nicht einfach nur für lustig befunden und gehyped wurde, sondern auch problematisiert. Und dass einige klare Ansagen dazu drinstehen, was Heteronormativität eigenltich heisst. Und lauter andere Sachen, die nicht nur bei den klenen Penkern im Marat ruhig mal ankommen können.

indymedia 2.0

Niemand findet indy so richtig gut. Mein Problem ist immer die Trennung von Müll und nicht-Müll, hinsichtlich Relevanz und Glaubwürdigkeit – ohne immer lange recherchen anstellen zu müssen, und ohne x Seiten anzuschauen um mir ein Bild zusammenzustückeln. Ich will etwas mit dem zentralen Charakter von indymedia, mit der Möglichkeit von dezentraler redaktioneller Bewertung. Mir schwebt so was vor:
* Eine, oder wenige, Seiten die, ähnlich wie Digg oder Slashdot, die Möglichkeit bieten irgendeine Seite/Artikel/posting/Kommentar pseudonym als relevant vorzuschlagen.
* Die Möglichkeit, wieder pseudonym, die von anderen geposteten Seiten hinsichtlich Glaubwürdigkeit und Relevanz zu bewerten.
* eine Kommentarfunktion, einzelne Kommentare können wieder nach Relevanz und Glaubwürdigkeit bewertet werden.
* Die Pseudonyme müssen insofern sicher sein, dass die Leserin davon ausgehen kann dass hinter allem was unter dem Pseudonym, z.B., „beerpunk1328″ veröffentlicht wurde vom gleichen Personenkreis oder der gleichen Person kommt.
* Pseudonyme müssen ausserdem insofern sicher sein, dass es eine einfache und sichere Möglichkeit gibt, zu überprüfen ob hinter dem Pseudonym „Autonome Zelle Bad Hausen“ tatsächlich die Autonome Zelle Bad Hausne steckt, und nicht irgendwelche Wichtigtuer. Diese Überprüfung muss logischerweise über einen zweiten Weg (z.B. Homepage der AZBH oder andere Gruppe) erfolgen.
* Infosyndikat, indymedia, diverse lokale Portale und Seiten einzelner Gruppen sowie eigentlich das komplette Internet stellen so quasi das back end da.
* Als weiteres back end wäre eine Art Wikinews interessant, um eine einfachere Zusammenarbeit an Artikeln zu ermöglichen.
* Es muss eine Möglichkeit geben, einzelne Pseudonyme zu bewerten, hinsichtlich so Fragen, wie: Wenn die was für Relevant halten, interessiert mich das einen Furz? Glaub ich denen?
* Diese Bewertung kann vielleicht vom individuellen Leser für sich abgestuft werden – glaube ich der Projektwerkstatt, wenn sie eine Aktion für nachahmenswert hält? Dem Linksruck, wenn sie sich über Demo-teilnehmer_innenzahlen äussern?
* Transparenz – geheime Bewertungsalgorythmen (wie bei Slashdot) sind m.E. nach ein Schmarrn.
* Die Luxusvariante wäre eine Art Wikinews, mit der Möglichkeit einzelne Edits (hinsichtlich Glaubwürdigkeit) zu bewerten – ich kann mir dann den Artikel in der neuesten Variante anschauen, oder in der die so-und-so viele Leser_innen als Glaubwürdig einstufen.

Die Frage ist, wie kann so was einfach realisiert werden? Ich bin selber kein grosser Kenner der diversen web 2.0 Schmankerl, mag mir aber mal ein paar Sachen anschaun und gucken wie nachahmenswert die sind. Und natürlich bin ich für Fragen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge offen!