Brutale Scheisse

Vorgestern hat Debru seine Aufenthaltserlaubnis gekriegt. Das war Anlass zu einem rauschendem Fest, ein paar Gedanken die mir dabei gekommen sind will ich hier verbreiten – alles eher subjektiv bis emo, politische Einschätzungen gibts anderswo.
Erstmal die Situation: Debru lebt als geduldeter Flüchtling in Neuburg, und hat dort massiv Stress mit der Ausländerbehörde – für die gilt er als einer, der viele Probleme macht, ich würde ihn als fitten und engagierten Aktivisten beschreiben. Gleichzeitig läuft derzeit eine Kampagne der Äthiopischen Regierung, die äthiopische Diaspora unter Kontrolle zu bringen, dazu gehört auch das geziehlt die Abschiebung von Exiloppostionellen gefördert wird, etwa durch das geziehlte Ausstellen von Heimreisedokumenten. Eine entsprechende Direktive des Amts für Diasporaangelegenheiten ist hier dokumentiert. Eine der Personen, die das Regime in Äthiopien haben wollte, war eben Debru. Er war damit seit etwa einem halben Jahr massivem Abschiebedruck ausgesetzt, und wäre in Äthiopien grosser Gefahr ausgesetzt gewesen.
Zusätzlich kommt der ganze Scheiss des deutschen Lagersystems in bayerischer Ausprägung dazu: Zwang im Lager zu leben, Sachleistungen statt Bargeld, Residenzpflicht, Arbeitsverbote, willkürliche Taschengeldkürzungen durch die Behörden, und und und … wer sich unter all dem wenig vorstellen kann, auf Deutschland Lagerland sind viele Infos zusammengestellt.
Für mich gilt, dass alle die hier bleiben wollen dass auch können sollen, und zwar mit den gleichen Rechten und das keine Abschiebung nirgendwohin jemals klargeht. Wenn ich also Debrus spezielle Situation beschreibe, dann nicht weil ich finde das „fitter Aktivist“ oder „verfolgter Oppositioneller“ Kriterien sind, ohne die es weniger richtig und wichtig ist sich zusammen mit jemandem ür dessen oder deren Aufenthalt einzusetzen. Mir geht es vielmehr darum, dass ich wenn ich darüber nachdenke was dass jetzt für Debru konkret heisst ich mich auch mit seiner konkreten Situation befassen muss.
Soweit die Einführung, und diejenigen die sich motiviert fühlen was zu tun seien als Startpunkt auf Bleiberechtsbüro verwiesen – jetzt der Part auf den ich rauswollte:
* Die Party, oder vielmehr der Anlass ist mir selten nahe gegangen.
* Wer sagt, mensch müsse das grosse Ganze im Auge behalten und so weiter hat schon recht, wer aber daraus ableitet sich für konkrete Menschen einzusetzen sei totaler Blödsinn, der oder die ist ein zynisches Arsch. Wenn du einen Menschen rettest, rettest du die Welt, klingt pathetisch, ist aber so.
* Wir feiern es als fetten Sieg, dass einer bleiben darf? Wir sagen „Juhuu, er kriegt jetzt ALG II“? Wie scheisse ist das denn? Nicht dass wir feiern, und ALG II ist besser als Sachleistungen plus Taschengeld. Aber an dem Punkt is mir persönlich eingefahren, wie brutal das ganze staatliche rassistische Scheissprogramm ist, wie viel wir noch erreichen müssen.
* Den Schluss kriegt Debru:“Ich werde weiterkämpfen, und ihr werdet weiterkämpfen, dass diese Welt fairer und gerechter für alle wird“ und „Ausländer hassen Nebensätze“