Auseinandersetzungen mit Weisssein (I)

Einen guten, nicht zu langen (30 s.) Text zu critical whiteness studies, bzw kritische Weissseinsforschung habe ich in der Archiv Schublade gefunden. In meinem Verständnis sind critical whiteness studies ein prima Werkzeug, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wer sich in diesr Gesellschaft normal fühlen darf. Das ist m.E. nach einmal essentiell für irgendein Verständnis von Rassismus, speziell wenn mensch weg mit der Scheisse will:

Verhältnisse, in denen du privilegierter Teil bist, sind nicht ohne eigenen Machtverlust revolutionierbar, das ist der Ausgangspunkt.

(Viehmann und GenossInnen, 1990)
Eben eine Auseinandersetzung mit diesen Privilegien steckt für mich in den critical whiteness studies prinzipiell mit drin. Eine weiter Fragestellung, wegen der mich dieses Feld interessiert, ist die wie politisch damit umgegangen werden kann, dass die autonome Szene in München, platt gesagt ziemlich „weiss“ bzw. „deutsch“ ist.
Um diese Fragen geht es verlinktem Text allerdings weniger. Der ist etwa ein drittel Einführung in critical whiteness studies, und 2 drittel Überlegungen dazu, wie gut diese in den spezifischen deutschen Kontext passen. Die Einführung ist m.E. nach ganz gut, auch wenn gerade der Teil denn ich spannend finde (weisse Privilegien) fehlt. Aber darüber wurde anderswo geschrieben, da reiche ich noch Lesetips nach. Der zweite Teil ist notwendigerweise etwas überflugsmässig, aber nirgendwo platt. Hier wird u.a. der spezifische Rassismus der Nazis behandelt, aber auch die öffentliche Wahrnehmung und gesellschaftliche Position der sogennaten „Ruhrpolen“. Der Autor nimmt sich auch des Problems eines Vergleiches von Shoa und kolonialistischen Genoziden (über den Begriff stolper ich immer ein bisschen, aber ein passenderer fällt mir nicht ein) aus verschiedenen Perspektiven an, leider auch etwas kurz.
Wer sich nicht durch die 30 Seiten Text lesen will, ist beim anders deutsch Blog gut aufgehoben. Die Autorin schreibt kurze Posts, die vielleicht als angewandte critical whiteness studies gelten können. Da wird vielleicht auch ein bisschen klar worum es geht. Ich bin erstmal ziemlich über den Blogtitel „anders deutsch“ gestolpert, irgendwas was im entferntesten nach positiven Bezügen auf dieses Land, und dazu zugehören, aussieht find ich erstmal schwierig – antinationaler Beissreflex halt. Aber was die Autorin da schreibt, finde ich inhaltlich korrekt und vor allem interessant und empfehlenswert.
Was mit bei allem, was ich zu dem Themenkomplex critical whiteness studies gelesen habe abgeht, ist eine Orientierung an praktischen Fragen von kultureller oder politischer Arbeit. Für Lesetips bin ich dankbar.