Bei der Argumentprüfstelle ist eine Diskussion über den Zusammenhang von Patriachat und Krieg ausgebrochen. Die Argumentprüfstelle findet scheinbar nicht, dass männliche Sozialisation etwas mit der Geeignetkeit fürs Militär zu tun hat. Dazu ist mir wieder eine alte (letzter Herbst) Geschichte eingefallen, über Mobbing beim USK, die dazu passt. Hier ein paar Zitate aus dem SZ Artikel:
Manche Polizisten der Sondereinheit Unterstützungskommando (USK) schikanieren nicht-konforme Kollegen; gehen müssen dann die Opfer, nicht die Täter. Interne Ermittlungen laufen, dabei hält sich im Polizeiapparat die Empörung in Grenzen. Es wurde als „Spaß“ angesehen, der diejenigen Kollegen treffe, die irgendwie aus der Reihe tanzten
Soweit ganz normal – wo die Displinierung von oben nicht genug greift, machen sich andere einen Spass darus, für Homogenität und Zusammenhalt zu sorgen. Das ganze hat auch fast was von Training:
Ein Beamter wurde nach einem Einsatz mit einer 15 Kilogramm schweren Türramme auf die Straße gesetzt und musste damit eineinhalb Kilometer weit zu Fuß laufen. Während der Fahrt im Einsatzbus prühten sich die Polizisten gegenseitig Pfefferspray ins Gesicht – als Wettbewerb, wer es länger aushält.
Ich finde die Vorstellung, dass diese Bullen sich sowas gegenseitig antun sehr lustig, dass ganze ist für ihre Arbeit aber durchaus funktional: Wer Gewalt anwendet, muss brutalisiert sein – und da kann eine Ladung Pfeffer ins Gesicht nicht schaden. Und wer es schon im Bus länger aushält, sich malträtieren zu lassen, ist wahrscheinlich auch auf der Strasse einigermassen Leidensfähig, zumal bei Demos nur selten Pfefferspray gegen Bullen eingesetzt wird, und die da zurückhauen dürfen.
Weshalb ich aber im Kontext der Diskussion bei der Argumentprüfstelle daraufgekommen bin, ist folgende Stelle, hier geht mir auch der Humor flöten:
Einen USK-Kollegen fesselten die Männer mit Kabelbindern an ein Treppengeländer, sie zogen ihn aus und malten ihm unter dem Gejohle der Gruppe eine weibliche Brust auf den Oberkörper.
Also, diese Bullen machen jemanden, den sie erniedrigen wollen, zur Frau. Das USK wird als Männerbund gedacht, trotz der paar (in München: 2 oder 3, glaube ich) Bulletten die da ihren Dienst tun. Wer „schwächelt“ passt da nicht mehr hinein, dieser Ausschluss wird so vollzogen.
Und by the way: „Mobbing, Folter ja hurra, das ist unser USK!“
So, mein Freund, jetzt stellst Du hier schon richtig fest:
Wer Gewalt anwendet, muss brutalisiert sein – und da kann eine Ladung Pfeffer ins Gesicht nicht schaden.
Jetzt erklär doch aber einmal, was Gewalt, dessen Ausübung und die dafür notwendige Abgebrühtheit für diesen Beruf (!) (tatsächlich sehr zweckmäßig!) mit Geschlecht zu tun hat. Merkst Du nicht, dass Du wie diese Leute den Sexismus (Gewalt ist cool/männlich) inhaltlich mitmachst. Der Unterschied zwischen Dir und denen ist nur, dass die das korrekt finden und Du doof. Das kritisiert aber keine Sache, wenn man einfach nur Ablehnung äußert. Du musst schon sagen, was an dieser Vorstellung von denen verkehrt ist.
Kritisieren tue ich am USK hauptsächlich, dass die ihre Arbeit tun.
Im folgenden meine ich mit männlich und weiblich immer, was in dieser Gesellschaft so darunter verstanden wird. Und, ich schreibe dass jetzt sehr holzschnittartig – ich habe einfach nicht den Nerv, auf all Nuancen einzugehen.
Was Gewalt mit Männlichkeit zu tun hat steht zum Teil in meinen comments bei dir, zum Teil in dem von mir vrlinktem Text: Die meisten „Tugenden“, die für Gewaltausübung auf Befehl praktisch oder notwendig sind, werden in dieser Gesellschaft als männlich gedacht, un Männern eher vermittelt. Was einmal bewirkt, dass so sozialisierte Männer eher in diese Bereiche gehen, als so sozialisierte Frauen. Dann bewirkt das, dass bestimmte Bereiche (Militär, manche Fankurven) als „männlich“ gedacht werden und die Typen dort sich, weil sie z.B. beim Bund sind, obermännlich vorkommen. Als Mänerbereiche wahrgenommene Bereiche werden von dene die drin sind verteidigt, gegen die die sie als weniger männlich wahrnehmen. Zur vergeschlechtlichten Sicht auf die Dinge gehört auch, dass bestimmte Eigenschften als zusammengehörend gedacht werden – gut im Fussball sein, aber nach dem Training beim Saufen nichts vertragen geht nicht, „deinen Mann stehen“ musst du auf ganzer Linie (sehr oldschooliges Beispiel, ich weiss). Speziell Militärs und Hools, aber auch die Bullerei vermitteln ein Bild nach aussen, das (wieder: in diesen Gesellschaftlichen Verhältnissen) als männlich wahrgenommen wird, und reproduzieren damit diese Verhältnisse mit.
Wichtig ist mir nochmal, hervorzuheben, dass das in meinen Augen soziale, veränderbare Verhältnisse sind, die meisten Leute würden das wohl naturalisieren und irgendwas von Hormonen erzählen wenn sie dazu gefragt werden.
Und was kritisiere ich am USK, oder an vergleichbaren Vereinen?
Dass sie ihre Arbeit tun, wie schon gesagt. Dass sie ein Bild von Männlichkeit vorexerzieren und damit reproduzieren. Und wahrscheinlich würde dir jeder und jede beim USK erzählen, dass das alles ganz natürlich so ist. Denen, mit denen ich bislang sowas wie ein Gespräch hatte, wäre wahrscheinlich schon „Warum Frauen schlecht einparken können …“ zu hoch. Aber vor allem habe ich sie hier als Anschauungsmaterial herbeigezogen.
Und mir geht es mitnichten darum, mich mit Bullen oder dir oder sonstwem darum zu streiten, was denn „korrekte“ Männlichkeit ist. Mir gehts darum, die bescheuerte zweigeschlechtliche Ordnung loszuwerden, warum musste dir wohl nochmal erklärt werden.
Mit Argumentprüfstelle darüber weiter zu diskutieren wird nur frustierend – der füllt die Leerstellen der MG mit Soziobiologie auf dem Niveau von Galileo.
Das einzige was helfen könnte, wäre sich mal an die oberste Etage der MG zuwenden, mit der Bitte, den Fußsoldaten mal einen anständigen Text zum Geschlechterverhältnis in die Tornister zu packen. Sonst bleiben die bei „Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“ und Galileo.
@pro7:
Ich glaube langsam, du hast recht.