Archiv für März 2007

Über Antiimperialismus und so

Eine gute Begriffsgeschichte des Antiimperialismus gibt es bei che (via). Zum weiterlesen kann ich den Text „Was wir meinen, wenn wir von Internationalismus sprechen“ empfehlen, von No Lager Bremen. Eine mini-Zusammenfassung vom ir, für die die zu faul für den ganzen Text sind: Der erste Absatz enthält eine kurze und knappe Umschreibung des Internationalismusbegriffes der Autor_innen – Kernpunkte sind für mich das linke Analyse und Praxis global angelegt sein sollten, und das Solidarität nicht als schuldgequälter Einsatz für die Kämpfe des Südens sein sollte, sonder gleicherechtigte Kooperation. Der nächste Teil des Textes ist eine kurze Kritik an der inhaltlichen Diskussion hinsichtlich G8, Stand Dezember 2005. Weiter geht es dann mit einem Vorschlag, verschiedene Aspekte nicht zusammenhangslos nebeneinanderzustellen, sondern in der Klammer „globale Rechte aneignen“ systematisch aufeinander zu beziehen. Im Absatz danach geht es um den Umgang mit patriachalen Verhältnissen in der G8 Mobilisierung, kritisiert wird hier ein strategisches Schweigen und das versäumt wird Geschlechterverhältnisse systematisch in Bezug zu anderen Ausbeutungsverhältnissen zu setzen. Der letzte Teil ist wieder mehr auf den damaligen Stand der Debatten in der G8 Mobilisierung bezogen, esgeht darum wie mit den verschiedenen Anschaungen von Internationalismus – pessimistisch-sozialrevolutionär, optimistisch sozialrevolutionär, pessimistisch-antinational, antimp – konstruktiv umgegangen werden kann. Wer genauer wissen will, was die geschrieben haben kann ja den ganzen Text lesen.
Wer sich, ob aus einer als „kritisches Aussen-“ oder als „Mitmachperspektive“ verstandenen Haltung mit linker Theorie und Praxis auseinandersetzt, ist gut damit beraten diese auch zu kennen. Wenn es nur um Angrenzung un bashing geht, ist zu genaue Kenntnis natürlich im Wege, aber das hatten wir ja schon. Für die weniger an Profilierung interessierten kann ich die obigen Texte als kurzen Überblick über das was internationalistische Politik sein kann nur empfehlen.

Fahrradfahren …

tue ich viel, daher der Name des blogs. Schreiben tue ich darüber eher wenig, bislang. Deshalb verweise ich mal auf Ms. Yeahpope’s blog, da gibt es interessantes übers radeln, adbusting und anderes.

Brutale Scheisse

Vorgestern hat Debru seine Aufenthaltserlaubnis gekriegt. Das war Anlass zu einem rauschendem Fest, ein paar Gedanken die mir dabei gekommen sind will ich hier verbreiten – alles eher subjektiv bis emo, politische Einschätzungen gibts anderswo.
Erstmal die Situation: Debru lebt als geduldeter Flüchtling in Neuburg, und hat dort massiv Stress mit der Ausländerbehörde – für die gilt er als einer, der viele Probleme macht, ich würde ihn als fitten und engagierten Aktivisten beschreiben. Gleichzeitig läuft derzeit eine Kampagne der Äthiopischen Regierung, die äthiopische Diaspora unter Kontrolle zu bringen, dazu gehört auch das geziehlt die Abschiebung von Exiloppostionellen gefördert wird, etwa durch das geziehlte Ausstellen von Heimreisedokumenten. Eine entsprechende Direktive des Amts für Diasporaangelegenheiten ist hier dokumentiert. Eine der Personen, die das Regime in Äthiopien haben wollte, war eben Debru. Er war damit seit etwa einem halben Jahr massivem Abschiebedruck ausgesetzt, und wäre in Äthiopien grosser Gefahr ausgesetzt gewesen.
Zusätzlich kommt der ganze Scheiss des deutschen Lagersystems in bayerischer Ausprägung dazu: Zwang im Lager zu leben, Sachleistungen statt Bargeld, Residenzpflicht, Arbeitsverbote, willkürliche Taschengeldkürzungen durch die Behörden, und und und … wer sich unter all dem wenig vorstellen kann, auf Deutschland Lagerland sind viele Infos zusammengestellt.
Für mich gilt, dass alle die hier bleiben wollen dass auch können sollen, und zwar mit den gleichen Rechten und das keine Abschiebung nirgendwohin jemals klargeht. Wenn ich also Debrus spezielle Situation beschreibe, dann nicht weil ich finde das „fitter Aktivist“ oder „verfolgter Oppositioneller“ Kriterien sind, ohne die es weniger richtig und wichtig ist sich zusammen mit jemandem ür dessen oder deren Aufenthalt einzusetzen. Mir geht es vielmehr darum, dass ich wenn ich darüber nachdenke was dass jetzt für Debru konkret heisst ich mich auch mit seiner konkreten Situation befassen muss.
Soweit die Einführung, und diejenigen die sich motiviert fühlen was zu tun seien als Startpunkt auf Bleiberechtsbüro verwiesen – jetzt der Part auf den ich rauswollte:
* Die Party, oder vielmehr der Anlass ist mir selten nahe gegangen.
* Wer sagt, mensch müsse das grosse Ganze im Auge behalten und so weiter hat schon recht, wer aber daraus ableitet sich für konkrete Menschen einzusetzen sei totaler Blödsinn, der oder die ist ein zynisches Arsch. Wenn du einen Menschen rettest, rettest du die Welt, klingt pathetisch, ist aber so.
* Wir feiern es als fetten Sieg, dass einer bleiben darf? Wir sagen „Juhuu, er kriegt jetzt ALG II“? Wie scheisse ist das denn? Nicht dass wir feiern, und ALG II ist besser als Sachleistungen plus Taschengeld. Aber an dem Punkt is mir persönlich eingefahren, wie brutal das ganze staatliche rassistische Scheissprogramm ist, wie viel wir noch erreichen müssen.
* Den Schluss kriegt Debru:“Ich werde weiterkämpfen, und ihr werdet weiterkämpfen, dass diese Welt fairer und gerechter für alle wird“ und „Ausländer hassen Nebensätze“

Angriff auf TOR: Beispiel zeromail

Gestern habe ich auf einen Angriff auf TOR hingewiesen. Ich will hier mal ein Szenario durchspielen, wie die Bullen das gegen unsere Strukturen durchziehen könnten, und wie eine einfache Gegenmassnahme aussehen könnte. Ein kurze, detailierte Beschreibung des Angriffs ist auf zdnet. Der Angriff basiert darauf, dass in deinem browser Java uns Javascript läuft, was Sicherheitsmässig eigentlich eh ein don‘t ist – oder, wie es jemand auf der TOR – mailinglist kommentierte:“They seriously expect me to use JavaScript and Java when using Tor? Some uber-hacker, indeed.“ (Einer der relevanten threads auf der mailinglist)
Also wo liegt das Problem? einfach Java, Javascript und ein paar andere plugins ausschalten, und wir sind sicher. Aber auch von vielen Webanwendungen abgeschnitten – zeromail zum Beispiel („Endlich eine linke Addresse“) funktioniert nur mit aktiviertem Javascript. Was macht also der VS? Ein paar TOR nodes laufen lassen, auf denen die erwähnten Sparifankaln installiert sind. Auch vorsichtige Leute müssen zwangsläufig mit aktiviertem Javascript auf zeromail surfen, die Oberfläche ist sonst nicht zu bedienen -schwuppsdi, wuppsdi weiss der VS mindestens mal, wer welche Addresse betreut, vielleicht einiges mehr.
Das bescheuerte daran ist, dass zeromail dagegen eigentlich geschützt wäre – die Verbindung ist nämlich via ssl verschlüsselt und autentifiziert. Das heisst, dass der TOR exit node eigentlich nicht mitlesen kann, was zwischen dir und zeromail vorgeht, und dass wenn dieser exit node (oder irgendwer sonst) etwas an den Daten verändert, du das merken würdest. Eigentlich, würdest: Du rufst zeromail auf, und ein Fenster erscheint dass es nicht möglich ist das zertifikat klar zeromail zuzuordnen, dass möglicherweise gerade ein Angriff versucht wird bei dem (um beim Beispiel zu bleiben) der exit node dir gegenüber so tut, als sei er zeromail. Du hast aber gar keine andere Wahl, als entweder zu glauben dass keine man in the middle attack (so werden solche Angriffe genannt: Anna und Arthur wollen sicher kommunizieren, aber Müller wurschtelt sich dazwischen und tut gegenübr Anna so als sei er Arthur, und gegenüber Arthur so als sei er Anna) vorgenommen wird, oder halt darauf zu verzichten deine mails zu lesen.
Dieser Angriff auf TOR verweist damit nur auf zwei grundsätzlichere Probleme, die nicht von den TOR Entwickler_innen zu beheben sind, sondern nur von webmaster_innen: Einmal Seiten so gestalten, dass sie auch für Sicherheitsbewusste Leser_innen zugägnlich sind (kein Javascript, etc.).
Und: Funktionierendes ssl! Dazu gehört es vor allem, den Leuten eine Möglichkeit zu geben, Zertifikate zu überprüfen. Und das ist nicht schwierig: jedes Zertifikat hat einen fingerprint, eine kurze (20 Zeichen oder so) Buchstaben und Zahlen kette. Der fingerprint ist so kurz, dass ihr ihn einfach auf einen Zettel schreiben könnt und das nächst mal am Bildschirm überprüfen ob das Zertifikat tatsächlich echt ist – Ich schreibe dazu gerne eine genauere Anleitung, wenn zeromail und co den nächsten Schritt tun: Auf sicheren, beglaubigten nicht internet wegen die fingerprints ihrer Zertifikate kommunizieren. Wie kann so was aussehen? Ein kurzer Artikel in einer Zeitschrift, des Inhalts „wir, die Redaktion/der Rote Hilfe Buvo/politgang xyz haben folgendes getan um sicherzugehen, dass folgender fingerprint tatsächlich zu dem Zertifikat von zeromail.org gehört: … . Der fingerprint ist: 54:4C:B8:1E …“ Wenn derArtikel nicht von der Redaktion ist, muss diese natürlich noch dazuschreiben, was sie getan hat um sicherzugehen, dass da tatsächlich der Rote Hilfe Buvo am Werk war, und nicht irgendwelche Hanswurste. Aber so könnte es klappen.
Unabhängig von den obigen Massnahmen, müsste noch genauer diskutiert werden, inwieweit TOR tatsächlich zur Sicherheit von uns alen beiträgt, und inwieweit TOR ein Angriffswerkzeug sein kann. Dazu vielleicht später mehr.

Angriff auf TOR

Das ist wichtig, für die von euch die TOR verwenden. Jemand hat einen Angriff entwickelt, mit dem ein exit node deine IP ermitteln kann, falls dein browser schlecht eingestellt ist – hier steht worauf mensch zu achten hat. Der Angriff wird hier beschrieben. Wie immer, wenn es um Internetüberwachung geht, redet der Erfinder von Pädophilen, die es zu fangen gelte.
Für die von euch die nicht schnell den links gefolgt sind: Im Detail sieht der Angriff so aus, dass der exit node anhand von Schlüsselwörtern herausfindet dass du eine Seite mit Kinderpornographischem Inhalt aufsuchst, und dann mehere Java-applets in diese einbaut, die deine IP Adresse an den exit node verraten. Damit das funktioniert, muss der TOR node des Angreifers natürlich der exit node sein, tatsächlich haben tor nodes die grosse Bandbreite anbieten auch einen hohen Anteil am gesamten TOR traffic. Zumal viele TOR node Betreiber_innen ihren node nicht als exit node zu Verfügung stellen – wenn wer damit Unheil anrichtet, ist dieses im Zweifelsfall bis zum exit node zurückverfolgbar, und da landen dann die Beschwerden.
Um jetzt mal Paranoiamässig völlig am Rad zu drehen: Nicht nur Regierungen können es sich leisten, viele TOR nodes Einzurichten um solche Angriffe zu starten, auch Sekten, Firmen, Faschos …
Hier geht jemand so weit, zu fragen inwieweit TOR ein Angriffswerkzeug sein kann.

Gesuch: Texte über die hiesige (weisse/deutsche) Linke

Ich geh grad ein bisschen der Frage nach, wie es sich wohl in der Politik die wir machen niederschlägt, dass die autonome Szene zumindest in München ziemlich weiss und deutsch ist – dazu wurde bestimmt viel geschrieben, wenn wer gute Texte dazu weiss, bitte unten eintragen. Der München-fokus kommt daher, weil hier halt wohne und die hiesige Szene kenne – Texte zu rassismus und Weisssein in der linken interessieren mich natürlich auch wenn sie sich auf sonstwo beziehen. Interessieren tun mich Texte aus dem Umfeld von Migrant_innen organisierungen oder Organisationen von nicht-weissen Menschen die sich mit der weissen/deutschen linken befassen, von politischen Exilgruppen, aber auch Sachen aus einem nicht explizit politisch Kontext. Aus den Texten die ich hier aufliste wird vielleicht klarer worum es mir geht.
Noch was zu meiner Behauptung, die autonome Linke Münchens sei weiss und deutsch – damit meine ich, dass ich diese Szene so war nehme, möglicherweise sehen sich einige in dieser Szene ganz anders. Konkret meine ich mit „weiss“, dass ich nicht glaube dass die Person hier Stress mit rassistischen Anmachen, Blicken oder Stereotypen hat, und mit „deutsch“ eine hiesige Sozialisation nebst Pass oder stabilen Status.

So, und jetzt die Texte die ich dazu gut finde:

Frankfurter MigrantInnenbeitrag, aus: Geschichte, Rassismus und das Boot von autonome L.U.P.U.S Gruppe.
Ein Klassiker – Ein Disstext auf die BRD-Linke, von 1992. Es geht um strukturellen Rassismus in dieser, und wie er sich niederschlägt, um die Wirkung von exotisierenden Stereotypen über MigrantInnen und die Ignoranz der weissen/deutschen Linken gegenüber den konkreten Erfahrungen von nichtweissen/nichtdeutschen hier. In dem Buch ist kein Hinweis darauf, von welchem Zusammenhang der Text ist (Köxuz? Cafe Morgenland?), kann das wer ergänzen?
online (komplettes Buch als pdf):
http://www.nadir.org/nadir/archiv/Diverses/pdfs/lupus_geschichte.pdf

Überwindung der antirassistischen Arbeitsteilung – Interview mit Kanak Attak
„Diese Arbeitsteilung ist ein Spiegelbild der Hegemonie des rassistischen Regimes in den 90er Jahren. Die zugrundeliegende Struktur, die ethnische Stratifikation, wurde in keinem Ansatz praktisch in Frage gestellt, weil sie die objektive Bedingung für die Politisierung in diesem begrenzten Feld war: Es muss Flüchtlinge geben, die ich betreuen kann, damit ich Pro Asyl bin. Es muss wilde Kanaken geben, die die deutsche Linke satt haben, damit ich mit denen Selbstorganisierungspolitik machen kann…“
Ich weiss ehrlich gesgt garnicht, ob das Interview für meine Fragestellung so interessant ist, mal gucken.
hier:
http://kanak-attak.de/ka/text/ak070601.html

Vor Jahren fand ich die Texte interessant, die von Nolager Bremen im Zusammenhang mit deren extra-meetings veröffentlicht wurden. Leider sind gerade alle links auf konkrete texte kaputt – 404 galore!
http://nolager.de/tour/32themen/328extrameeting/index.htm

Auseinandersetzunegen mit Weisssein (II)

Ein älterer Text zum Thema ist „White Privilege: Unpacking the Invisible Knapsack“ von Peggy McIntosh. (html, pdf (7 Seiten)). Der Kern des Artikel ist eine Liste aus 50 Privilegien, die die Autorin geniesst und die sie darauf zurückführt, dass sie als weiss gesehen wird. Diese sind alle auf ihre Situation bezogen – Uni Betrieb, USA, vermutlich nicht eben knapp bei Kasse. Weiter wird kurz skizziert, wie eine Unterteilung dieser Privilegien aussehen kann – in welche, die eigentlich alle haben sollten (Deine Hautfarbe wird nicht vor Gericht als Argument gegen deine Gleubwürdigkeit gesehen) und welche die niemand haben sollte (Du kannst Menschen anderer Hautfarbe ungestraft ignorieren)
Empfehlenswert zu lesen ist der Artikel meiner Meinung nach, weil hier knapp veranschaulicht wird wie so eine Auseinandersetzung mit der eigenen Position für weisse (im Sinne von: als weiss identifiziert) aussehen kann. Was in diesem Artikel nur am Rande erwähnt wird, was aber andere Autor_innen betonen ist, dass etwas wie diese Liste nicht angefertigt werden kann, ohne auf die Wissensproduktion von Leuten zurückzugreifen die nicht als weisse gesehen werden, die diese Privilegien nicht haben. Was mich beim lesen gestört hat ist dass der Begriff „race“ andauernd ohne Anführungszeichen verwendet wurde, und in diesem Text nicht erklärt wurde was das genau meint. Bei Wollrad stand zwar irgendwo dass der Begriff „race“ anders aufgeladen ist als der entsprechende Begriff „Rasse“ – all die kritischen Debatten sollen sich hier niedergeschlagen haben – aber ich bin skeptisch.
Ein offene Frage für mich ist, wie so eine Liste für den hiesigen Kontext (BRD) aussähe, und wie für die radikale Linke. Für Lesetips und andere Anregungen bin ich wie immer dankbar.

Immer wieder Herz der Finsternis …

Ziemlichen Müll schreibt die SZ in ihrem Feulliton Artkiel über „Der letzte König von Schottland“:

… um mal wieder das dunkle, aber heftig pulsierende Herz Afrikas zu beschwören, die gefährliche Magie des schwarzen Mannes …

Eklig auch diese Zitat über Uganda:

Es ist erstmals Schauplatz eines westlichen Spielfilms und entfaltet beträchtliche Zauberkräfte – von der Landschaft über die Frauen bis hin zur Architektur

Mit anderen Worten: Afrika und als schwarz identifizierte Menschen werden in der SZ ganz unverblümt als exotisch, gefährlich und irrational präsentiert, Frauen gehören genauso zur Kullissewie Landschaft oder Häuser. Darüber das die TAZ nicht besser ist wurde hier was geschrieben.

Auseinandersetzungen mit Weisssein (I)

Einen guten, nicht zu langen (30 s.) Text zu critical whiteness studies, bzw kritische Weissseinsforschung habe ich in der Archiv Schublade gefunden. In meinem Verständnis sind critical whiteness studies ein prima Werkzeug, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, wer sich in diesr Gesellschaft normal fühlen darf. Das ist m.E. nach einmal essentiell für irgendein Verständnis von Rassismus, speziell wenn mensch weg mit der Scheisse will:

Verhältnisse, in denen du privilegierter Teil bist, sind nicht ohne eigenen Machtverlust revolutionierbar, das ist der Ausgangspunkt.

(Viehmann und GenossInnen, 1990)
Eben eine Auseinandersetzung mit diesen Privilegien steckt für mich in den critical whiteness studies prinzipiell mit drin. Eine weiter Fragestellung, wegen der mich dieses Feld interessiert, ist die wie politisch damit umgegangen werden kann, dass die autonome Szene in München, platt gesagt ziemlich „weiss“ bzw. „deutsch“ ist.
Um diese Fragen geht es verlinktem Text allerdings weniger. Der ist etwa ein drittel Einführung in critical whiteness studies, und 2 drittel Überlegungen dazu, wie gut diese in den spezifischen deutschen Kontext passen. Die Einführung ist m.E. nach ganz gut, auch wenn gerade der Teil denn ich spannend finde (weisse Privilegien) fehlt. Aber darüber wurde anderswo geschrieben, da reiche ich noch Lesetips nach. Der zweite Teil ist notwendigerweise etwas überflugsmässig, aber nirgendwo platt. Hier wird u.a. der spezifische Rassismus der Nazis behandelt, aber auch die öffentliche Wahrnehmung und gesellschaftliche Position der sogennaten „Ruhrpolen“. Der Autor nimmt sich auch des Problems eines Vergleiches von Shoa und kolonialistischen Genoziden (über den Begriff stolper ich immer ein bisschen, aber ein passenderer fällt mir nicht ein) aus verschiedenen Perspektiven an, leider auch etwas kurz.
Wer sich nicht durch die 30 Seiten Text lesen will, ist beim anders deutsch Blog gut aufgehoben. Die Autorin schreibt kurze Posts, die vielleicht als angewandte critical whiteness studies gelten können. Da wird vielleicht auch ein bisschen klar worum es geht. Ich bin erstmal ziemlich über den Blogtitel „anders deutsch“ gestolpert, irgendwas was im entferntesten nach positiven Bezügen auf dieses Land, und dazu zugehören, aussieht find ich erstmal schwierig – antinationaler Beissreflex halt. Aber was die Autorin da schreibt, finde ich inhaltlich korrekt und vor allem interessant und empfehlenswert.
Was mit bei allem, was ich zu dem Themenkomplex critical whiteness studies gelesen habe abgeht, ist eine Orientierung an praktischen Fragen von kultureller oder politischer Arbeit. Für Lesetips bin ich dankbar.

Solitour für Antifas in Russland

Ich war gestern beim Konzert von What we feel und Tackleberry im Sunny red, und ich kann allen nur empfehlen zu einem Termin der Tour in eurer Nähe zu gehen:

Mar 13 2007 Öttinger Villa/Darmstadt (DE) +Tackleberry
Mar 14 2007 AK44/Giessen (DE) +Tackleberry
Mar 15 2007 Besetztes Haus/Erfurt (DE) +Tackleberry
Mar 16 2007 Liwi/Leipzig (DE) + Tackleberry
Mar 17 2007 Kombi/Nünchritz (DE) + Tackleberry, Something Inside, Abenteuer Auftauen, Irgendwie

Die Einnahmen der Tout gehen an Antifastrukturen in Russland, in denen wwf auch selber aktiv sind. Infos dazu gibt es bei Nu Pogodi, Nazi.
Mit Bandbeschreibungen tue ich mich immer schwer, ich würde würde die Musik beider Bands einfach mal als guten Hardcore bezeichnen, krachig, aber nicht metalig, der peinliche-tough-guy- faktor ist bei beiden Bands gering. Tackleberry kommen recht locker und symphatisch rüber. What we feel bringen bei ihrem Auftritt ziemlich klar rüber, dass es ihnen mit ihrer Musik und in ihrer Szene um etwas geht, vor fast jedem Lied gab es eine kurze inhaltliche Ansage. Wwf brachten, zumindest für mich, auch eine gewisse Power rüber. In München gab es vor dem Konzert keine Infoveranstaltung zur Situation von Antifaschist_innen in Russland, wie scheinbar in anderen Städten, hier war diese am Mittwoch vorher im Marat gewesen. Wenn in eurer Stadt noch Veranstaltung ist dann lohnt es sich auf alle Fälle früher hinzugehen und die auch noch mitzunehmen.