Mario Möller in der Jungle: zynischer, dummer Dreck.

Ein unglaublich bescheuerter Artikel findet sich in der letzten Jungle – Der Autor psalmodiert, unter Rückgriff auf Haufenweise Autoritätsargumente (Adorno! Marx! Nochmal Adorno!), gegen antikapitalistische Bewegungen im allgemeinen und die Agrar AG in der Heiligendamm-mobilisierung im besonderen.
Seine Argumentationsweise ist ungefähr die: Antikapitalistische Praxis, die sich auf soziale Bewegungen bezieht, ist schon auf den Hund gekommen. Der Kapitalismus ist auf seinem höchsten Nivau aufzuheben, wenn nichts anderes rauskommen soll als Verzicht, Elend und Tugendterror – deshalb muss jede emanzipatorische Überlegung von der Bürgerlichen Gesellschaft ausgehen (Adorno!). Antikapitalismus ist oft Verzicht, und moralisches Gedöns. Der Kritiker muss sich deshalb auf das bürgerliche Glücksversprechen beziehen, weil dieses irgendwas mit der Emanzipation von Unmündigkeit in Familie und Volk zu tun hat. Bewegungslinke sehnen sich nach dem gerecht verteiltem Elend und halten Individualisten für bedrohlich. Weltmarkt ist Gut (Marx!), Subsistenzwirtschaft, die gerade mal das Überleben sichert, schlecht. Globalisierungskritiker_innen sind Nazis (Adorno!) und wollen den Kapitalismus erhalten.
Das Interesse wird im ersten Absatz („auf den Hund gekommen“) klar: Emanzipatorische Bewegungen bashen. Dazu hält dann eine sehr selektive Adorno- und Marx-Lesart her. Diese postuliert einmal, das am bürgerlichen Wesen als die Welt genesen soll. Und, sie verträgt verträgt sich nicht mit Fakten – Das Familien regelrechte Disziplinarinstanzen wurden und Nationen gegründet wurden ging mit der Entstehung bürgerlicher Gesellschaften einher.
Weiter wird der Agrar-AG eine romantisierung der Subsistenzwirtscahft unterstellt – was unhaltbar ist, siehe
hier. Aber wer bashen will, liest besser nicht zu genau.
Richtig zynisch, unfassbar dumm und in der Konsequenz menschenverachtend ist in diesem Zusammenhang die Passage:

Vielmehr reden sie einer Subsistenzwirtschaft das Wort, die an die Region und die Gemeinschaft gekettet ist und die gerade einmal das Überleben in Bescheidenheit sichern soll.

Der Knackpunkt ist – Subsistenzwirtschaften sichern das Überleben. Andere Verhältnisse tun das nicht unbedingt, anders als zu marxens Zeiten bedeutet eine Vertreibung vom Land in die Stadt nicht automatisch, dass mensch ein neues Einkommen findet – es geht also mitnichten um eine romantisierung, oder darum dass irgendwer Subsistenzwirtschaft an sich hypen würde, sondern um eine Frage des praktischen Überlebens. Aber das interessiert den Autor nicht, die vom ihm romantisierte, bürgerliche, Gesellschaft will durchgesetzt werden, und wer da auf der Strecke bleibt soll gefälligst still zur Hölle fahren.


13 Antworten auf “Mario Möller in der Jungle: zynischer, dummer Dreck.”


  1. 1 nevereverleft 22. Februar 2007 um 16:36 Uhr

    Du bist eine ganz ganz große Göttinger Knalltüte…

  2. 2 Administrator 22. Februar 2007 um 19:04 Uhr

    Und du funktionaler Analphabet – das 089 im blogtitel, dass ich öfters von „hier“ schreibe, wenn ich München meine …

  3. 3 Elvis 22. Februar 2007 um 20:30 Uhr

    „funktionaler analphabet“ hast du deine „beiträge“ mal korrektur gelesen oder lesen lassen? wer im glashaus sitzt sollte zum kacken in den keller gehen – oder so ähnlich.

    wenn du der meinung bist, dass ein positiver bezug auf subsistenzwirtschaft bzw. diese tatsächlich eine option darstellt in der es menschen „besser“ geht, dann bitte ich dich die defenitionen der begriffe subsistenzwirtschaft und emanzipation erneut zu prüfen.

    gegen ackerbau und viehzucht,
    für die luxioröse bedarfsgesellschaft!

  4. 4 Administrator 23. Februar 2007 um 14:16 Uhr

    wenn du der meinung bist, dass ein positiver bezug auf subsistenzwirtschaft bzw. diese tatsächlich eine option darstellt in der es menschen “besser” geht, dann bitte ich dich die defenitionen der begriffe subsistenzwirtschaft und emanzipation erneut zu prüfen.

    Wie bitte? Erst mal: in dem von mir gebashten Artikel wird Emzipation nur in einem Europäisch, bzw. Nordamerikanisch bürgerlichen Rahmen gedacht, was einfach mal quatsch ist – koloniale Denkmuster wirken hier fort. Was ist denn dein Begriff von Emanzipation?
    Und was Subsistenzwirtschaft angeht – Der von Mario Möller so romantisierte Weltmarkt hat derzeit garkeine Verwendung für so viele Leute, wie gerade auf der Welt leben – in der Konsequenz heisst das, dass dem Weltmarkt ausgeliefert sein für viele bitterste Armut bedeutet. Derzeit werden die Lebensgrundlagengrundlagen vieler Menschen (Landwirtschaft ist immer noch für ca. 3 Milliarden Menschen die dominante Realität) zerstört , nichts anderes wird durch
    Wasserprivatisierung, Preisdumping (durch Subventionen und marktmächtige Akteure wie grosse Supermnarktketten) das pushen von Saatgut mit Terminatortechnologie und und und bewirkt.
    Und welche Perspektiven bieten sich vielen Menschen, nachdem sie ihrer Lebensgrundlagen beraubt wurden? Leben am Existenzminimum in den Slumcities, Verwaltet werden in Flüchtlings- und Auffanglagern, Verhungern. Das sind dann die emanzipatorischen Perspektiven?
    Die sozialen Kämpfe dagegen haben auch ein Moment, als „ursprünglich“ vorgestellte Lebensweisen zu verklären und zu verteidigen – Das ist duchaus kritikabel, nur eben nicht so wie Mario in der Jungle. Die sozialen Kämpfe, die sich um Fragen von Land und Lebensgrundlagen drehen, darauf zu reduzieren ist aber auf alle Fälle grober Scheiss.

    gegen ackerbau und viehzucht,
    für die luxioröse bedarfsgesellschaft!

    Masslose Forderungen nach Luxus für alle find ich toll – aber allen, denen es erst mal ums Überleben geht mit Adorno faschistisches Wunschdenken zu unterstellen ist einfach borniert, extrem dumm, und zementiert die bestehenden Verhältnisse in ihrer ganzen Brutalität.

  5. 5 müller 23. Februar 2007 um 15:23 Uhr

    „Da der Kapitalismus eine historisch spezifische Form gesellschaftlicher Vermittlung durch Arbeit ist, führt er zu einer spezifischen Form von gesellschaftlicher Herrschaft, in der die Menschen unpersönlichen und strukturellen Direktiven unterworfen sind. Diese Totalität ist allen Subjekten vorgeordnet. Sie ist eine von den Subjekten selbst erzeugte und reproduzierte Gesetzmäßigkeit. Bei Strafe des Untergangs muss sich jeder dem abstrakten Tausch­gesetz unterwerfen. In dieser Hinsicht ist der Unterschied zwischen denen, die von diesem Prozess profitieren, und jenen, die daran zugrunde gehen, nur ein geringfügiger.“

    Die ganze Brutalität dieses kaltschnäuzigen Zynismus bringt der letzte Satz so richtig schlagend auf den Punkt!

  6. 6 Administrator 23. Februar 2007 um 16:31 Uhr

    @ Müller: Stimmt genau. Darauf bin ich noch garnicht richtig eingegangen.

    Aber implizit macht Mario Möller doch einen Unterschied zwischen denen die profitieren, und denen die zugrunde gehen: erstere dürfen sich scheinbar frei austoben, letztere hängen sobald sie sich wehren (also versuchen ihre Situation zu verbessern) seiner Meinung nach einem „faschistischem Wunschbild“ nach, und sind damit zu bekämpfen.

  7. 7 subwave 23. Februar 2007 um 16:36 Uhr

    @müller: zynisch oder nicht, wo der möller recht hat, hat er nunmal recht, auch wenn es dir „bauchschmerzen“ bereiten sollte…

  8. 8 Administrator 23. Februar 2007 um 17:19 Uhr

    @subwave:
    Faktisch ist der Unterschied recht drastisch, Möller schreibt ja selber von profitieren oder untergehen. Dazu kommt noch wie sich andere Gewaltverhältniss verschieden auswirken, auch abhängig davon wie arm oder reich du bist, und und und.
    Wer das alles zu einem „geringfügigem Unterschied“ erklärt, verwechselt ein vielleicht ganz interessantes und nützliches Modell (vom Kapitalismus in seinem idellem Durchschnitt) mit der Realität, die um einiges komplexer ätzender ist. Und genau dieses Leugnen von brutalen Realitäten ist einfach zynisch, aber auch dumm und borniert.

  9. 9 Administrator 01. März 2007 um 13:28 Uhr

    Zum gleichen Thema hat Emanzipation oder Barbarei was geschrieben – lesenswert!
    Der Aspekt warum der Weltmarkt den von Landlosigkeit bedrohten Menschen im Trikont keine Perspektive bietet, wird da mehr ausgeführt.

  10. 10 nachsitzah 03. Oktober 2007 um 18:15 Uhr

    >>dass ich öfters von “hier” schreibe, wenn ich München meine

  11. 11 Atta Troll 22. März 2008 um 10:49 Uhr

    Ich will den Möller Mario in diesem einem Punkt doch mal in Schutz nehmen: er hat keinen Zynismus verzapft, sondern ihm ist (Respekt!) ein Gemeinplatz verunglückt. Die Frage, ob ein Zynismusvorwurf überhaupt ein gutes Argument ist, lasse ich beiseite.

    Er schrieb nämlich „in dieser Hinsicht“, also im Hinblick auf den abstrakten Umstand der Unterwerfung unter das Tauschgesetz. Das ist nun zwar eine Banalität und weil auf dieser ganz abstrakten Ebene gar kein Unterschied besteht, ist auch der „geringfügige Unterschied“ völlig sinnfrei. Dagegen in einem Pawlowscher (Beiß-)Reflex den Vorwurf des Zynismus zu erheben, ist oberflächlich (profitieren, untergehen – geringfügiger Unterschied? Schweinerei!).

    Ich finde es bedauerlich, dass man dieser Site ein Spiel mitspielt, das im Polit- und Medienbetrieb üblich ist, nämlich das Spiel der Skandalisierung von Äußerungen, die dem jeweiligen comme il faut zuwiderlaufen, ohne sich mit ihrem tatsächlichen Inhalt zu befassen (auch in der politisch korrekten Variante, von der „anti“deutschen ganz zu schweigen, erhältlich). Der Möller Mario hat, wie ich vermute, wohl geahnt, dass seine Formulierung Anstoß erregen könnte, und in gedankenloser wie kontraproduktiver Weise versucht, sie mit dem „geringfügigen Unterschied“ abzuschwächen. Wegen dieses geringfügigen Unterschieds wirkt seine Äußerung aber umso provozierender.

    Unter diesem Aspekt gönne ich ihm solche Reaktionen auch wieder.

  1. 1 Globale Landwirtschaft: food for thought. | bikepunk 089 Pingback am 08. März 2007 um 14:48 Uhr
  2. 2 rant about g8 | bikepunk 089 Pingback am 11. April 2007 um 14:26 Uhr
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