Mpunkts Lesestärke

The Story so far:
Dieser post von mir befasste sich damit, dass scheinbar ein indy-Bericht über eine Aktion zum Thema Definitionsmacht von indy-mods zensiert wurde. Mpunkt sah sich dazu veranlasst, Definitionsrechtler_innen mit religiösen Spinnern zu vergleichen. Das wurde in der Kommentarspalte kritisiert, auch von mir – was zu Mpunkts jüngsten Vorwurf an mich führte. Ein paar Punkte will ich widerlegen.

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Auf meine Unterstellung, Mpunkt habe unterstellt, Definitionsrechtler_innen seien rachsüchtig:

Zwar habe ich deren Wunsch nach Rache, also nach einer Schädigung des “Täters”, weil er auch jemand geschädigt hat, gar nicht mit “Sucht” begründet, sondern mit dem Bedürfnis nach ideeller Kompensation

Sacklzement! Habe ich doch glatt statt“Bedürfnis nach ideeler Kompensation“ „Sucht“ geschrieben. Das ändert freilich alles. Im Ernst: Mpunkt unterstellt tatsächlich niemandem Rachsucht, wohl aber Rache als einziges Motiv. Der zum Schaffen eines Schutzraumes mitunter nötige, offensive, Umgang mit dem Täter ist für Mpunkt
„halt einfach nur die Befriedigung des verkehrten Rachebedürfnisses, von daher bin ich gar nicht daran interessiert.“(hier).
Also: Der Ausdruck „Rachsucht“ bei mir war ungenau – es bleibt aber richtig, das Mpunkt die Forderung nach Definitionsmacht auf ein Bedürfnis oder einen Wunsch nach Rache reduziert. Aber das war ja nur am Rande.

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Interessanter ist, dass bikepunk abstreitet, dass es den Definitionsrechtlern überhaupt nicht um Rache gehen würde, sondern ich das in deren Texte nur reinlesen würde

Ich hab mich schwer damit getan, die Textstelle zu finden, wo ich das abstreite. Meint Mpunkt diesen comment von mir?

““Offensiver Umgang mit den Tätern” ist halt einfach nur die Befriedigung des verkehrten Rachebedürfnisses,”
Nö. Wenn du einen Schutzraum für die Betroffene Person schaffen willst, wirst du dich auch mit dem Täter rumärgern müssen.

Hier widersprach ich der Behauptung, das es nur um Rache geht. Ich wüsste nicht, warum Mennschen die sich für eine Definitionsmacht für von sexualisierter Gewalt betroffene einsetzen, dafür frei von jedem Wunsch nach Rache sein sollten.

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Interessanter ist, dass bikepunk abstreitet, dass es den Definitionsrechtlern überhaupt nicht um Rache gehen würde, sondern ich das in deren Texte nur reinlesen würde. Das ist schon angesichts des von ihm geposteten Texts seltsam, der sich doch gerade darüber beschwert, dass wegen der Unschuldsvermutung “Vergewaltiger” viel zu selten bestraft werden würden.

Der von mir gepostete Text dreht sich viel darum, was es für von Vergewaltigung betroffene Frauen heissen kann, vor Gericht und im sozialen Umfeld die Beweislast zu tragen:

Nicht selten wird Frauen, die sich nach einer Vergewaltigung einer Gerichtverhandlung aussetzen ihre Rationalität und Glaubwürdigkeit abgesprochen. Sie muss ihre Aussage dann gegen eine Wand des Misstrauens durchsetzen, während er meistens von der Familie, und dem sozialen oder medialen Umfeld geschützt wird. Daher fühlen sich die Männer, die sich zu einer Vergewaltigung entschließen so sicher. Daher haben Frauen alles, und die Täter nichts zu befürchten.

Auf dem Rechtsweg ist eine betroffene Person dazu gezwungen, die erlebte Erfahrung in aller Öffentlichkeit in allen Einzelheiten darzulegen. Dabei werden ihre persönlichen Grenzen erneut ignoriert. Es ist bekannt, dass dies in vielen Fällen bedeutet, dass sich die Tat traumatisch wiederholt. Außerdem outet sie sich in aller Öffentlichkeit: vor Freund_innen, Familie, Kolleg_innen als Opfer einer Vergewaltigung mit den verschiedenen sozialen Konsequenzen. Dies bedeutet oft Jahre der Anstrengung zusätzlich zur Verarbeitung der Gewalterfahrung. Dann werden in der Regel die Täter freigesprochen. Darin sehen viele Betroffene keinen Sinn und so müssen die wenigsten Täter für ihre Gewalt gerade stehen und Verantwortung übernehmen. Im schlimmsten Fall wiederholen sie, was ihnen so sicher ist.

Die Stellen, wo sich explizit darüber beschwert wird, dass Vergewaltiger zu milde bestraft werden – Mpunkt, wieso setzt du Vergewaltiger in Anführungszeichen? – finde ich nicht. Die oben zitierten Passagen sind die Begründung für das folgende:

Darum fordern wir das “Definitionsrecht” für die Betroffenen. Das heißt es soll ihnen das Recht eingeräumt werden, einen Täter zu markieren ohne für die Beweislast verantwortlich zu sein. Ihrer Aussage muss Glauben geschenkt werden, da sie nicht beweisbar ist! Ihre Bedürfnisse müssen berücksichtigt werden und er die Verantwortung übernehmen! Denn nur wenn Täter endlich geoutet werden können, erscheinen ihnen Frauen, oder auch Jungen und Mädchen nicht mehr unbegrenzt verfügbar. Nur so kann die männliche Definitionsmacht und Gewalt über die Sexualität von Frauen entkräftet werden.

Also nichts mit Rachsucht, pardon Bedürfnis, in diesem Text – „Denn nur wenn Täter geoutet werden können, erscheinen ihnen Frauen nicht mehr verfügbar.“

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Ausgerechnet in seinem Blog sorgt jetzt aber eine definitionsrechtlerische anonyma für noch mehr Klarheit, worum es bei der Debatte geht:

das frauen vergewaltigungen anzeigen und das polizei und gerichte frauen diese anzeigen nicht mit unangenehmen bis entwuerdigenden befragungen wieder erleiden lassen, war viele jahre ein feministisches ziel. […] das die maenner vom staat bestraft werden […]

Mein Blog. Ausgerechnet. Werfe ich dir den Rotz vor, den Bilbo verfasst? Was willst du eigentlich?

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Fragt sich wer hier an einer Leseschwäche leidet.
(Wobei das selbstverständlich eine interessierte “Leseschwäche” ist, welche “linke Basisbananalitäten” gegen sie kritisierende Argumente abschirmen möchte.)

Stimmt, was ich geschrieben habe verfolgt ein Interesse – nämlich das, klar zu stellen dass es jenseits aller Sophistereien und bescheuerter Vergleiche eine Definitionsmacht für von sexualisierter Gewalt betroffene nötig ist. Weil es ja auch sinnvolle Interventionen vor der Weltrevolution gibt, und andere Widersprüche neben dem Kapitalismus.
Das mit den anderen Widersprüchen hat Mpunkt noch nicht so ganz raus, wird vielleicht noch. Erstmal gibt es heroische Versuche Vergewaltigung alleine aus irgendwas mit Waren heraus zu erklären:

dass er sich das (ideelle) Recht zuspricht, jede abzubekommen und dann eine Frau vergewaltigt, um dieses “Recht” gegen sie durchzusetzen und sich so zu bestätigen, was für ein toller Hecht er doch ist. Da ist der Fehler doch schon die Angeberei, diese Verdoppelung der realen kapitalistischen Konkurrenz in eine private Sphäre, in der man sich die Erfolge holen will, die einem in der realen Konkurrenz verwehrt bleiben (bzw. in der man sie auch noch wiederholen will, weil man sich halt für einen umfassenden Winner halten will). Und diese beschissene Konkurrenz, der man ausgesetzt ist, auch noch ohne Zwang in eine weitere zu verdoppeln, zeigt doch mindestens, dass man einen Fehler in der Bestimmung der Konkurrenz gemacht hat.

In der Form völliger Blödsinn – Frauen stehen nicht ausserhalb der kapitalistischen Verwertungslogik, aber mehr als 90% aller Täter_innen bei sexuellen Übergriffen sind Männer. MPunkts Interesse – Kritik um der Kritik willen? Der Titel „Hauptwiderspruchsdepp 2007″?- macht ihn_sie immer noch zu einem unzurechnungsfähigem Sophisten. Aber das erwähnte ich schon.


3 Antworten auf “Mpunkts Lesestärke”


  1. 1 Administrator 13. August 2007 um 11:43 Uhr

    Ein besserer Text als der, den ich eingangs geposted hatte, zum Thema ist dieser hier:
    Las Mambas – DefinitionsMacht und Vergewaltigungsdebatten

    Ein kleiner Service für alle, die eine Auseinandersetzung mit der Thematik wichtig finden, der Lesetipp ist speziell an dieser Stelle weil ein link von Kritikderpraxis herzeigt.

  2. 2 tee 13. August 2007 um 12:55 Uhr

    ja sacklzement. dass du damals auch noch was zugetan hattest, hatte ich doch glatt vergessen. danke für den link …

  1. 1 MPunkt Trackback am 13. Februar 2007 um 0:57 Uhr
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