Archiv für Februar 2007

Tradition ist wunderbar (II)

Gestern, beim Mike Mafia Konzert im Marat, waren es 5 – der lokale Brauch, bei Konzerten von linken Hip Hoppern Persos zu verbrennen findet kein Ende.

Java

Ich bin gerad bei Schneier auf einen interessanten, möglichen Angriff auf Rechner (genauer: router) via Java script gekommen – hier. Was ein_e Angreifer_in damit tatsächlioch anfangen kann, weiss ich nicht, aber ich vermute mal dass da andere mehr Ideen haben. Scheisse, dass es weniger und weniger Seiten gibt, auf denen mensch ohne auskommt.

Viel zu tun.

1. Naziaufmarsch in Augsburg (kommt hier etwas spät, aber besser als nie), startet un 11:00 am Jakobertor
Gegenkundgebung ist um 10:00, Martin Lutherplatz. sonstiges: http://www.wind-it-up.tk

2. Bleiberechtsaktionstag, auch heute – wo was ist erfahrt ihr hier

3. Abschiebung stoppen – Yabre Oumaru soll am kommenden Montag nach Burkina Faso abgeschoben werden – ihr könnt was dagegen tun: bei der Air France am Münchner Flughafen anrufen (tel.: 089 9759 1100 oder 089 9759 1114) oder faxen (fax.: 089 0759 1104), und ihnen erzählen das das nicht geht – Fluggesellschaften sind auf ihren guten Ruf bedacht, wenn sie glauben dass der angekratzt wird (z.B. weil lauter Leute von Amnesty, Kirchen, Parteien, honorigen NGOs und besorgte Bürger anrufen) machen sie da schon mal einen Rückzieher. Was könnt iht erzählen, was euch so unsagbar an der geplanten Abschiebung empört? Yabre Oumaru lebt seit 1993 in der BRD, war hier 2 Jahre (94-96) verheiratet, hat eine 11-Jährige Tochter zu der er einen guten Kontakt hat, war die letzten 10 Jahre Berufstätig, „integriert“, Burkina Faso ist einer der ärmsten Staaten der Welt und respektiert laut ai die Menschenrechte nicht, der amtierende Präsident dort hat sich 87 an die Macht geputscht.

Also, auf gehts!

Online Zensur – wer liefert die Technik?

Via kosmic luxury bin ich auf diese Liste der Länder gestossen, die am intensivsten Online Zensur betreiben. Zumindest Saudi Arabien bezieht, laut german foreign policy, seine Zensurtechnik aus der BRD (hab ich schonmal was kurzes zu geschrieben). Wie machen das die anderen? Zum Teil helfen die „grossen“ im Business (Google, Yahoo) mit, einige Staaten haben eigene Behörden dazu – Zusätzlich interessant ist die Frage, welche Firmen in den Metropolenstaaten bei Tugendterror und Verfolgung von Dissident_innen mithelfen. Wer weiss da was? Wurde da mal was recherchiert zu?

„Und wer zahlts?“

Die Frage kommt immer. Egal ob du „Alles für Alle!“ skandierst, ein Bier bestellst oder kommendes Wochenende beim Bleiberechtsaktionstag mitmachst – irgendjemand fragt immer

Wer soll das alles zahlen?

Grund genug, sich über die coolsten Antworten auszutauschen!

Mario Möller in der Jungle: zynischer, dummer Dreck.

Ein unglaublich bescheuerter Artikel findet sich in der letzten Jungle – Der Autor psalmodiert, unter Rückgriff auf Haufenweise Autoritätsargumente (Adorno! Marx! Nochmal Adorno!), gegen antikapitalistische Bewegungen im allgemeinen und die Agrar AG in der Heiligendamm-mobilisierung im besonderen.
Seine Argumentationsweise ist ungefähr die: Antikapitalistische Praxis, die sich auf soziale Bewegungen bezieht, ist schon auf den Hund gekommen. Der Kapitalismus ist auf seinem höchsten Nivau aufzuheben, wenn nichts anderes rauskommen soll als Verzicht, Elend und Tugendterror – deshalb muss jede emanzipatorische Überlegung von der Bürgerlichen Gesellschaft ausgehen (Adorno!). Antikapitalismus ist oft Verzicht, und moralisches Gedöns. Der Kritiker muss sich deshalb auf das bürgerliche Glücksversprechen beziehen, weil dieses irgendwas mit der Emanzipation von Unmündigkeit in Familie und Volk zu tun hat. Bewegungslinke sehnen sich nach dem gerecht verteiltem Elend und halten Individualisten für bedrohlich. Weltmarkt ist Gut (Marx!), Subsistenzwirtschaft, die gerade mal das Überleben sichert, schlecht. Globalisierungskritiker_innen sind Nazis (Adorno!) und wollen den Kapitalismus erhalten.
Das Interesse wird im ersten Absatz („auf den Hund gekommen“) klar: Emanzipatorische Bewegungen bashen. Dazu hält dann eine sehr selektive Adorno- und Marx-Lesart her. Diese postuliert einmal, das am bürgerlichen Wesen als die Welt genesen soll. Und, sie verträgt verträgt sich nicht mit Fakten – Das Familien regelrechte Disziplinarinstanzen wurden und Nationen gegründet wurden ging mit der Entstehung bürgerlicher Gesellschaften einher.
Weiter wird der Agrar-AG eine romantisierung der Subsistenzwirtscahft unterstellt – was unhaltbar ist, siehe
hier. Aber wer bashen will, liest besser nicht zu genau.
Richtig zynisch, unfassbar dumm und in der Konsequenz menschenverachtend ist in diesem Zusammenhang die Passage:

Vielmehr reden sie einer Subsistenzwirtschaft das Wort, die an die Region und die Gemeinschaft gekettet ist und die gerade einmal das Überleben in Bescheidenheit sichern soll.

Der Knackpunkt ist – Subsistenzwirtschaften sichern das Überleben. Andere Verhältnisse tun das nicht unbedingt, anders als zu marxens Zeiten bedeutet eine Vertreibung vom Land in die Stadt nicht automatisch, dass mensch ein neues Einkommen findet – es geht also mitnichten um eine romantisierung, oder darum dass irgendwer Subsistenzwirtschaft an sich hypen würde, sondern um eine Frage des praktischen Überlebens. Aber das interessiert den Autor nicht, die vom ihm romantisierte, bürgerliche, Gesellschaft will durchgesetzt werden, und wer da auf der Strecke bleibt soll gefälligst still zur Hölle fahren.

„…mit ihrer Hände Arbeit“

„Wollen sie, mit ihrer Hände Arbeit, all die versorgen die zu uns wollen?“

So fragte mich ein Oberföhringer Spiesser bei einer Kundgebung anlässlich der Ereignisse von Ceuta und Melilla. Die Kundgebung richtete sich gegen das brutale Vorgehen von spanischen und marokkanischen Behörden gegen Flüchtlinge. Auch als Übung für den Aktionstag kommendes Wochenende – was würdet ihr darauf antworten?

„… Handgeld vom Reemtsma“

Wozu sich mit Inhalten, mit Überzeugungen auseinandersetzen? Wer nicht einsehen will, dass und warum gerade eine bestimmte Demo stattfindet,kann sich doch einfach einreden, dass sievon irgendwem gesponsort wird, dass die Leute die da so laut krakelen ein Tagegeld dafür bekommen. Besonders in Mittenwald, aber auch anderswo, hören wir es immer wieder:

Ihr werds‘ doch zoit!

Strittig ist hier nur, ob Reemtsma, der Mossad oder die ARD hinter uns steckt. Die Frage ist aber auch – was darauf antworten? Und wohin schicken wir die Gehaltsforderungen?

„..viel für Tiere…“

… tat eine Spiesserin nach eigenen Angaben, der ich ein Flugblatt gegeben hatte in dem das brutale Vorgehen von spanischen und marokkanischen Bullen gegen Flüchtlinge in Ceuta und Melilla thematisiert wurde. Wörtlich sagte sie:

Danke, aber ich tue schon sehr viel für Tiere. Jeder hat so seinen Bereich.

Mit solchen Spinner_innen will beim Aktionstag kommendes Wochenende souverän umgegangen werden – was würdet ihr Antworten?

Vaporware?

In einem Artikel auf Heise macht sich Bernd Kling über die Möglichkeit der online Festplatten durchsuchung lustig. Die Quintessenz ist die, dass BKA-Chefs, Innenminister und ähnliche keine Ahnung von Computern haben, und deshalb die Sache mit der Online-Festplattendurchsuchung ein grosser Popanz ist. Mag sein dass ersteres stimmt, aber die Schlussfolgerung?
In dem Artikel ist von 160 millionen € „Sonderzuwendungen für die Infrastruktur der Online-Durchsuchungen“die Rede, die den (welchen?) Bullen zur verfügung gestellt worden seien. Der Artikel geht davon aus, dass ein paar hemdsämelige BKAler in der Kantine Ideen gesponnen haben, was sie alles könnten und das die Forderung nach staatlichem, legalem cracking sich eher darauf beruft als auf reelle technische Möglichkeiten.
Ich halte den Artikel für hoffnungslos optimistisch was unsere Privatsphären anbelangt und für wahnsinnig naiv was die technischen Möglichkeiten angeht, und halte es da lieber mit Bruce Schneier:

None of the measures I‘ve described are foolproof. If the secret police wants to target your data or your communications, no countermeasure on this list will stop them.

Das coole Zitat darüber, mit Knarre und Laptop unter dem Kopfkissen zu schlafen finde ich gerade nicht.