Tante Emmas funktionaler Analphabetismus

Tante Emma schimpft viel und gern. Da kommt dann viel Polemik bei raus, die, wie so oft bei bei Polemiken, für ernsthafte Auseinadersetzungen nicht zu gebrauchen ist. Ein super Beispiel ist dieser, von mir schonmal gedisste, Beitrag. Weil, anstatt z.B. AntiImps dafür zu kritisieren was sie tatsächlich vertreten (da gäb’s aus meiner Perspektive genug, und aus Tante Emmas noch mehr) werden ihnen noch ekligere Inhalte untergeschoben um sie um so besser bashen zu können.
Mir fehlt so ein bisschen der Nerf, allen Unterstellungen in Tante Emmas Text nachzugehen, deshalb konzentriere ich mich auf die Sachen, die sich auf das Gegeninformationsbüre beziehen. Hauptsächlich nicht um deren Ruf zu retten, sondern um die Glaubwürdigkeit von Tante Emma zu smashen.


Also los durch Tante Emmas Text, Absatz für Absatz. Als Vergleich ziehe ich dieses Positionspapier des Gegeninformationsbüros (Gib)heran.
„Alles was nicht gefällt, sei es Krieg, Sexismus, Rassismus oder HartzIV wird auf gezielte Pläne dieses Kreises zurückgeführt.“ heisst es bei Tante Emma, der Vorwurf ist also einer der extremen Personalisierung.
Tatsächlich sind die Genoss_innen vom Gib aber Hauptwiderspruchsdeppen: „Der Kapitalismus ist das Treibhaus aller Unmenschlichkeiten.“ schreiben sie, und sehen zumindest prinzipiell ein dass es um ein strukturelles Verhältnis geht.
„‚Die Herrschenden tragen ihre sinnentleerte Lebensphilosophie von der Freiheit der Ware in jeden Winkel der Welt. Ihre Mittel und Methoden sind Korrumpierung, Betrug, Raub, Krieg und Folter‘, göbbelt sich das Gegeninformationsbüro Berlin in einem Positionspapier beispielsweise schon mal warm“ schreibt Tante Emma weiter. Warmgöbbeln. Hmm. Nein Tantchen, dass sind keine Nazis, wie du uns hier suggerieren willst.
Mensch kann dem Gib vorwerfen, dass sie eher Skandale innerhalb dieser Verhältnisse anprangern als die Verhältnisse selber, aber dass ‚Korrumpierung, Betrug, Raub, Krieg und Folter‘ unter denen die dazu in der Lage sind (um mal das H-Wort zu vermeiden) gern verwendete Mittel sind um am Markt zu bestehen, ist kaum zu leugnen.
„…und legt damit eigentlich nur einen logischen Schluß nahe, wie alle Probleme der Menscheit zu lösen sind: weg mit den Kapitalistenschweinen! Ganz normaler linke Weltverschwörungsparanoia, gemischt mit latenten Liquidationsphantasien.“ Den einen logischen Schluss ziehe ich so nicht unbedingt. In meiner Lesart liegt dem Gib Text tatsächlich ein plattes, instrumentelles Verständnis von Staat zugrunde – vielleicht auch deshalb, weil dazu sehr wenig geschrieben wird. Dass ist natürlich zu kritisieren, aber statt dieser Kritik gibt es von Tante Emma unbelegte Unterstellungen von latenten Liquidationsphantasien.
In Tante Emmas Text geht es weiter mit dem Diss auf nationale Befreiungsbewegungen, bzw. dem positivem Bezug auf selbige. Tatsächlich kann mensch dem Gib hier einiges vorwerfen. So werfen sie den Autor_innen eines anderen Papiers (Unser Nein ist das Ja zum Nichts des Ganzen, aus Mannheim) zu Recht vor, zu vorschnell die internationale Soldidarität mit Befreiungsbewegungen aus der linken Geschichte herauszukritisieren. Um dann später zu schreiben „Die Organisierung von Widerstand im nationalen Rahmen ging im 20. Jahrhundert keineswegs mit nationalistischen – im Sinne von chauvinistischen, ausschließenden – Ideologien einher“ Das ist so Blödsinn, es gab in der Geschichte der linken immer wieder Auseinandersetzungen mit, gelinde gesagt, auschliessenden Praktiken von linken und sich als links bezeichnenden Befreiungsbewegungen, dem Gib müsste dass bewusst sein. Dadurch, dass sie dass nicht mitreflektieren verhalten sie sich genauso geschichtslos wie die von ihnen kritisierten Mannheimer_innen.
Und was macht Tante Emma? Natürlich den positiven Bezug auf nationale Befreiung zu dissen, immerhin ein ganzer Absatz Text ohne falsche Unterstellung.
Dafür geht es bei ihr mit einer Meisterleistung des falschen zitierens weiter:
„Den ‚Herrschenden‘ in Amerika gehe es ohnehin um die Vernichtung der Menschheit, wenn man dem apokalyptischen Szenario glauben darf: ‚Die USA geben seit dem ersten Weltkrieg ökonomisch, seit dem zweiten militärisch und politisch den schmutzigen Ton an. […]Der US-Imperialismus treibt eine am Ende zerstörerische Perspektive für die Menschen und ihre Umwelt brutaler vorwärts, als jede andere imperialistische Macht.Weil sie noch die Stärksten sind,‘ und genau das will man ja schließlich auch ändern, Seit an Seit (leider nur ideologisch) mit Suicide Bombern im Irak und in Israel.“ schreibt Tante Emma. Der Vorwurf ist also, dass das Gib eine Bande plattester Antiamerikanist_innen ist, diese würden den US-Eliten Ambitionen unterstellen, die eines Schurken aus einem frühem James-Bond würdig wären. Dass will Tante Emma in dem Text gelesen haben. Da steht aber was anderes:
„Die USA sind kein „Synonym für Unterdrückungsmechanismen“ [3], die funktionieren in allen kapitalistischen Gesellschaften ähnlich umfassend, hier subtiler, da brutaler. Der US-Imperialismus treibt eine am Ende zerstörerische Perspektive für die Menschen und ihre Umwelt brutaler vorwärts, als jede andere imperialistische Macht. Weil sie noch die Stärksten sind..“ Es geht um die Rolle der USA im gegenwärtigem System, in dem „sie noch die Stärksten sind“. Und dass der Kapitalismus eine „am Ende zerstörerische Perspektive für die Menschen und ihre Umwelt“ bringt, ist eigentlich klar.

Warum ich mich so an Tante Emma abarbeite? Ich finde es nervig genug, dass die Diskussion um die G8 Mobilisierung, die den breitesten Raum kriegt, eine abstrakte, ideologiekritische ist. Warum nicht praxisnäher ideologiekritisch diskutieren, z.B um die Rede von globalen Rechten, und wieviel Sinn diese macht? Stattdessen wird über die Existenz von Herrschenden gerätselt, und dazu kommt dann solche verlogene Stimmungsmache. Tante Emma wird munter weiter vor sich hin blubbern bzw. bloggen oder auch nicht, aber wenn ihre Unterstellungen von ein paar ihrer Leser_innen kritischer unter die Lupe genommen werden ist das nur gut.


1 Antwort auf “Tante Emmas funktionaler Analphabetismus”


  1. 1 Über Antiimperialismus und so | bikepunk 089 Pingback am 31. März 2007 um 21:28 Uhr
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