Nazi Geisterbahn

Darüber, dass einer aus München zu einer Geldstrafe verknack wurde weil er Flyer zum Buch “Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus” verteilt hatte, wurde ja schon viel geschrieben. Ich würde drauf wetten dass das Buch total bescheuert ist (hab halt ne‘ hohe Meinung vom Grigat). Wichtig David juristisch/politisch zu supporten ist es trotzdem, und extraabsurd ist die Geschichte wenn mensch sich ein paar andere Vorkommnisse aus Mittenwald anguckt:

Zu all dem ist zu sagen, dass Mittenwald zu Pfingsten immer zugeschissen mit Bullen ist, mehr als pöbeln ist angesichts dessen selten drin. Die krasseren Vorfälle liegen weiter zurück, bei der Bevölkerung dort ist mittlerweile angekommen dass Hakenkreuzanstecker schlechte Publicity sind. Die Reihenfolge ist total zufällig. Und, zu der Liste liesse sich noch viel hinzufügen.

* Ein älterer (nicht Tätergeneration) Mann zeigt in Sicht von Bullen der vorbeigehenden Demo den Hitlergruss. Einige gehen hin und vordern die Bullen auf ihn anzuzeigen. Diese versuchen die AntifaschistInnen in die Demo zurückzuschicken, beruhigen den Mann halbherzig und schicken ihn weg. Beim weggehen zeigt er noch mehrmals den Hitlergruss.

* Ein Aktivist verteilt am Rand der Demo den „Mittenwalder Landboten“, das Massenblatt der Mobilisierung. Ein Mann am Wegesrand reisst ihm ein Exemplar aus der Hand und schlägt es ihm auf den Kopf.

* Der Typ aus dem obigen Beispiel treibt sich an diesem Nachmittag öfters in der Nähe von VerteilerInnen herum, und ermutigt andere MittenwalderInnen durch wenig subtiles Mobbing dazu die Zeitung abzulehnen.

* Ein alter Mann mit Hakenkreuzanstecker am Hut spaziert unbehelligt zwischen den Bullen umadum.

* Der KZ Überlebende Ernst Grube wird von einem Ladeninhaber mit dem Satz „Dich hat man vergessen zu vergasen“ bedacht.

* Eine Bewohnerin kommentiert die Demonstration mit den Worten „Euch sollte man mit dem Schürhaken erschlagen“

* Maurice Kling, der das als Kind das KZ Dachau überlebte und nach einem Todesmarsch kurz hinter Mittenwald seine Befreiung erlebte, kam 2005 zum ersten mal wieder in diesen Ort. Die Veranstaltung, bei der er über seine Erinnerungen sprach, musste in einem Bierzelt auf dem Bahnhofsplatz stattfinden, da sich die Stadt weigerte einen Saal zur Verfügung zu stellen.

* Bis heute gibt es in Mittenwald kein Denkmal für die Opfer des Todesmarsches, der dort endete. Eine an der Kirche angebrachte Gedenktafel wurde nach 20 min zerstört. Es gibt aber das sogenannte „Tragtierdenkmal“, mit dem den gefallen Mulis der Gebirgsjäger gedacht wird.

weiter Impressionen aus der Nazi Geisterbahn Mittenwald sind willkommen.


1 Antwort auf “Nazi Geisterbahn”


  1. 1 Repression | Nie wieder Mittenwald Pingback am 14. Februar 2007 um 1:21 Uhr
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